Verantwortung als Schlüsselbegriff
Aus: gea.de
Erschienen: 27.03.08
Besuch - Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Winfried Hermann und die Landesvorsitzende Petra Selg bei Trigema
VON ARNFRIED LENSCHOW
BURLADINGEN. Zwischentöne sind nicht unbedingt die Sache von Wolfgang Grupp.
Erkrankt", dieses Wort gibt es nicht für den Chef und Allein-Eigentümer der
Burladinger Textilunternehmen Trigema. "Entweder ist man gesund - oder tot",
sagt Grupp, und meint es wohl als Scherz. Bei anderen Dingen lässt er nicht
mit sich scherzen, wie der Tübinger Grünen-Bundestagsabgeordnete Winfried
Hermann und seine Landesvorsitzende Petra Selg gestern bei ihrem Besuch
erfahren konnten.
Beide wollten sich persönlich über dieses schwäbische "Vorzeigeunternehmen",
so Selg, kundig machen, und vor allem seinen Chef kennenlernen, der trotz
Globalisierung Erfolg hat und seinen 1 200 Untergebenen sichere
Arbeitsplätze garantiert.
Dabei sieht der Unternehmer in seiner Firmenpolitik gar nichts Besonderes.
"Was ich mache, ist normal", sagt der 65-Jährige, der die Firma von seinem
GroAzvater übernahm und sanierte. Aber so normal wohl doch nicht in der
heutigen Unternehmenslandschaft. Denn der bekennende CDU-Wähler Grupp legt
sich immer wieder mit Kollegen und Managern an, hat den Mut zur unpopulären
Meinung und geiAzelt schon mal, wie mit dem ehemaligen Post-Chef Klaus
Zumwinkel umgesprungen wurde, während man die Persönlichkeitsrechte von
Kindermördern penibel schütze. Um dann gleich wieder gegen die "Kultur der
Schlafmützigkeit in den Aufsichtsräten" zu wettern, wie sie sich zuletzt bei
den Banken im Fall der Immobilienkrise gezeigt hat, und seine alte Forderung
zu erneuern, Manager und Unternehmer persönlich haften zu lassen. Denen
würde er dann auch einen Einkommensteuerrabatt gewähren.
Aber Absahner, die nur auf ihren persönlichen Vorteil sehen und nicht das
Wohl des Unternehmens und der Mitarbeiter im Auge haben, kann Grupp nicht
ausstehen. Nicht nur mit diesem Plädoyer für "Verantwortungskultur" zeigten
sich Gemeinsamkeiten mit den politischen Zielen der Grünen. "Ich schätze
vieles, was die Grünen machen", bekannte Grupp, der in seinem Unternehmen
nur ökozertifizierte Naturstoffe verwendet. Auch wie er die Arbeitsplätze im
Land hält, beeindruckte die beiden Grünen. "Entwickelt und geforscht wird am
Arbeitsplatz. Wenn wir das auslagern, ist unser Vorsprung irgendwann dahin",
argumentiert Grupp gegen den Export von Arbeitsplätzen.
Seine Strategie dagegen: Konzentration auf Qualität. Keine Massenware,
sondern Produkte, die ihren Preis haben. Produktion auch in kleinen Mengen,
wenn der Kunde es wünscht. Ein "gutes Beispiel, wie man intelligent mit der
Globalisierung umgehen kann", findet Hermann. "Alle anderen haben
outgesourct, er hat alles hereingeholt" und damit die "Wertschöpfungskette
verlängert", lobt Hermann. Bis zum fertigen Produkt wird nämlich fast alles
in den eigenen Werken gemacht. Auch der Verkauf über mittlerweile 45 eigene
Geschäfte gehört dazu, die 52 Prozent des Umsatzes von rund 83 Millionen
Euro beisteuern. Dass bei Trigema der Mensch nicht allein als Kostenfaktor
gesehen wird, sondern sich einbringen kann, hat Petra Selg, die in den
nächsten Wochen noch einige Unternehmen besuchen will, besonders
beeindruckt. "Das ist eine Unternehmenskultur, die wir in eine grüne
Marktwirtschaft einflieAzen lassen wollen." (GEA)



