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„Das Prinzip der Verantwortung“ - Wolfgang Grupp im Gespräch.



Aus: Baden-Württemberg Magazin "" Sonderausgabe Wirtschaft Spezial
Erschienen: 03 / 2007

Alleiniger Geschäftsführer und Inhaber der Trigema GmbH & Co. KG"" steht auf seiner schwarzen, eleganten Visitenkarte:
Wolfgang Grupp wirbt für den Standort Burladingen und damit für den Standort Deutschland. Seine Sicht zu Motivation und
Wirtschaft wollten wir von dem Burladinger Unternehmer erfahren. Daraus geworden ist ein Bekenntnis zu Verantwortung,
Innovation, Treue und Verpflichtung eines jeden Unternehmers gegenüber seinem Unternehmens "" und den Menschen, die in
diesem Unternehmen arbeiten. An der Spitze von Deutschlands gröAztem Tennis- und Freizeitmoden-Hersteller steht ein Mann
mit überzeugenden Prinzipien.

Baden-Württemberg-Magazin: Herr Grupp, während sehr vieles zur Produktion in die Billiglohnländer verlegt wird, werben
Sie für den Standort Deutschland. Warum?

Wolfgang Grupp: Präzise gesagt: für den Standort Burladingen in Deutschland. Hier leben meine Familie und meine
Betriebsfamilie. Um Ihre Frage zu beantworten: wir verlieren unsere Heimatliche Bodenhaftung, wenn wir nicht da
produzieren, wo unsere Heimat ist. Meine Heimat ist für mich der Beste Standort. Für ihn und damit für die Menschen hier
verpflichtet zu sorgen "" darin liegt meine Verantwortung "" und übrigens die eines jeden Unternehmers.

BWM: Wie stehen Sie dann zur Globalisierung?

W.G.: Durchaus positiv. Sie birgt viele Chancen für neue Märkte. Und bringt Chancen in Märkte, die bisher an den
Produktionsprozessen nicht partizipierten.

BWM: HeiAzt das nicht: Verlagerung von Arbeitsstätten in Billiglohnländer?

W.G.: Nicht so und nicht aus den Gründen, aus denen es jetzt meist gemacht wird "" es kommt darauf an, was wo produziert
wird. Meine Meinung ist die: in Deutschland machen es die hohen Löhne dem Unternehmer zur Pflicht, ausschlieAzlich höchst
innovative Produkte herzustellen, bei denen der Stücknutzen sich bei hohen Löhnen aus Produktions-Know-How und Qualität
ergibt. In dem Augenblick, wo Niedriglohnländer die Technologie beherrschen und diese Produkte auch herstellen können,
müssen Sie in Deutschland bereits die nächste techno-logische Produktions-Runde eingeläutet haben. In Deutschland
hergestellte Produkte dürfen und sollen elitär sein "" Massenprodukte schaffen dann woanders Lohn und Brot.

BWM: Dieses Denken ist bei Ihnen Standard?

W.G.: Gewiss. Schauen Sie sich nur den Wandel meiner Kollektionen in den letzten zehn Jahren an "" und damit auch die
Technologie und Herstellungswissen, die zur Produktion notwendig sind. Da liegen Welten dazwischen. Die Unternehmen in
Deutschland müssen das produzieren, was die Welt sonst nicht produzieren kann. Es ist doch eine grausame Logik: Zunächst
schmälern Massenproduktion und damit der Kampf um Marktanteile die Erträge. Um Erträge zu steigern, sucht man das
Billiglohnland. Und hinterlässt in der Heimat Arbeitslosigkeit. Innovative Technologie in Produkt oder Verfahren dagegen
steigert die Wertschöpfung im eigenen Land.

BWM: Da nehmen Sie aber die Unternehmer ganz schön in die Pflicht!

W.G.: Meine Vorstellung geht noch viel weiter. Ich fordere von den Unternehmern die totale Verantwortung für deren
Handeln. Wir machen es allen zu einfach, aus der Verantwortung zu kommen. Firma gründen, Geld rausholen, durch
Produktion in Billiglohnländer die Rendite erhöhen, Leute freisetzen, Firma schlieAzen. Man sollte die Einkommensteuer
nicht senken, sondern erhöhen "" aber denen, die mit all Ihrem privaten Besitz für Unternehmen und eigenes Handeln zu
100% haften, denen sollte man den halben Steuersatz auf die Steuer gegen. Das brächte Unternehmer dazu, über das
nachzudenken, was sie herstellen "" und wie sie das verbessern können. Anstand und Zuverlässigkeit müssen wieder
unternehmerische Tugenden werden. Weitsicht und Liebe zur Innovation müssen täglich auf der Agenda eines jeden
Unternehmers stehen.

BWM: Da brauchen die Unternehmer aber Mitarbeiter, die mitziehen. Teilen auch Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
diese Sicht?

W.G.: Ich geben der Asbernahme an Verantwortung alle Chancen. Bei uns sind die meisten wichtigen Positionen mit
""Eigengewächsen"" besetzt. Die übernehmen meine Vorstellungen der Firmenkultur - und unterstützen mich in meinem
unternehmerischen Aufgabenbereich, zu dem die Verantwortung für Werk, Mensch und Markt absolute Priorität hat.

BWM: Danke für das Gespräch, Herr Grupp.

Jedes Gespräch mit dem Unternehmer Wolfgang Grupp gleicht einem profunden Wirtschaftssymposium. Das kann nicht erstaunen - ist doch Wolfgang Grupp seit über 30 Jahren in der Verantwortung und fühlt sich mit seinem gesamten Privatbesitz
persönlich haftend in der Verantwortung. Das Unternehmen hat keine Bankverbindlichkeiten. Die Bilanz sieht nur das
Finanzamt. Wolfgang Grupp lebt, was er denkt: er hasst Verantwortungslosigkeit. Und glaubt an die Kraft und die Zukunft
von Familie und Mittelstand - und an die Stärke von Visionen, Ideen und Innovationen.
Reimut Vogel
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