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Trigema-Produkte für Kunden zum original Fabrikverkaufspreis und in hoher Qualität.

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Textilherstellung

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Vom Baumwollfaden bis zum fertigen T-Shirt - bei Trigema passiert alles unter einem Dach.

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Business Thema "Anstand zahlt sich aus"



TW: Sie garantieren den Kindern Ihrer Beschäftigten einen Arbeitsplatz. Inwiefern machen diese davon Gebrauch?

W.G.: Wir stellen laufend Kinder von Mitarbeitern ein. Das hört sich zunächst sozial an, ist aber durchaus egoistisch
gedacht. Bei den Kindern meiner Mitarbeiter weiAz ich, wen ich vor mir habe. Zudem sorgen die Eltern dafür, dass ihre
Kinder sie nicht blamieren. Da habe ich es doch wesentlich einfacher, als wenn ich ein teures Inserat schalte und sich
Personen melden, von denen ich gar nichts weiAz.

TW: Der Umsatz von Trigema stagniert seit zehn Jahren um die 80 Mill. Euro. Brauchen Sie kein Wachstum?

W.G.: Unsere Kapazität muss von Januar bis Dezember voll ausgelastet sein. Aber mit adäquaten Aufträgen, die auch dem
Lohn unserer Mitarbeiter entsprechen. Wir nehmen jährlich einen Austausch von Produkten vor. Das heiAzt: Ein Produkt, das
heute lukrativ ist, wird irgendwann auch im billigen Ausland gefertigt und ist dann für uns nicht mehr lukrativ
produzierbar. Unsere Aufgabe ist es, konstant innovative Produkte zu finden, diese oben anzubauen und unten die nicht
mehr interessanten Produkte abzugeben. Massenprodukte sind auf Dauer in einem Hochlohnland nicht mehr zu produzieren.

TW: Denn die Kosten steigen doch auch? Die Personalkosten, die Energiekosten...

W.G.: Natürlich. Wir begegnen dem durch eine permanente Rationalisierung. Wir haben heute eine sehr hohe Wertschöpfung
von 78 Prozent im eigenen Unternehmen. Das heiAzt: Von unseren 82,8 Mill. Euro Umsatz erarbeiten wir 64 Mill. Euro mit
den eigenen Händen und Maschinen. Da fangen wir gewisse Kostensteigerungen auf.

TW: Wie hat sich die Ertragslage in den vergangenen zehn Jahren entwickelt?

W.G.: Unter der Kohl-Regierung haben wir 56 Prozent Einkommenssteuer bezahlt. Heute zahle ich 42 Prozent. Ich würde
gerne wieder 56 Prozent bezahlen, wenn auch das Umfeld der damaligen Zeit wieder entsprechend wäre. Der Markt ist
schwieriger geworden, weil wir keine echte Marktwirtschaft mehr haben. Wer sich übernimmt, verspekuliert oder sinnlos
Fehlentscheidungen getroffen hat, kann einfach Insolvenz machen und somit seine Schulden der Allgemeinheit überlassen.

TW: Vor sieben Jahren haben Sie Ihre Firma in eine Einzelfirma mit hundertprozentiger persönlicher Haftung umgewandelt.
Wollten Sie damit ein Zeichen setzen oder hatte das auch einen wirtschaftlichen Hintergrund?

W.G.: Das habe ich gemacht, um ein Zeichen zu setzen. Verantwortung und Haftung gehören zusammen. Das war immer mein
Credo. In einer Diskussionsrunde wurde ich gefragt, warum ich dann eine GmbH & Co KG habe. Ich musste dem Mann Recht
geben. Danach habe ich meine Firma umgewandelt.

TW: Einen wirtschaftlichen Hintergrund hatte das nicht?

W.G.: Nein. Aber ich habe vor zwei Jahren meine Firma wieder zurückgewandelt in eine GmbH & Co KG, weil ich meiner
Familie nicht zumuten konnte, dass sie in voller Haftung steht, falls ich morgen plötzlich nicht mehr da bin.

TW: Sie investieren stark in Grundstücke. Wie wichtig ist das Immobiliengeschäft für den wirtschaftlichen Erfolg von
Trigema?

W.G: Wenn wir einen guten Standort für ein Testgeschäft bekommen können, gehen wir ungern ein Mietverhältnis ein,
sondern versuchen, uns mit einer eigenen Immobilie Unabhängigkeit und damit Sicherheit zu verschaffen.

TW: Warum nennen Sie Ihre 44 Filialen immer noch "Testgeschäfte"?

W.G.: Im Prinzip ist das nichts anderes als Fabrikverkauf. Wir möchten uns aber nicht mit Factory Outlets vergleichen.
"Factory Outlet" heiAzt: Restantenware im Verhältnis sehr teuer an den Verbraucher zu verkaufen. Testgeschäft heiAzt für
uns, dass wir die neuesten Produkte zum Original-Fabrikpreis direkt an den Verbraucher weiterzugeben, um zu testen, wie
diese ankommen. Danach richten wir unsere Produktion. Nachdem der Handel immer schwächer wurde, mussten wir das
notgedrungen ausweiten. Wir verkaufen heute 52 Prozent unserer Produktion in den Testgeschäften.

TW: Trigema ist als Marke im Fachhandel wenig sichtbar. Woran liegt das?

W.G.: Trigema war schon immer ein wenig der Buhmann des Fachhandels. Als wir in den Siebziger Jahren Konzerne wie
Kaufhof, Karstadt oder Versandhäuser wie Quelle, Neckermann usw. belieferten, versuchten uns die Einzelhändler oder die
Einzelhandelsverbände zu boykottieren. Deshalb waren wir auch in den Neunziger Jahren gezwungen, mit unseren
Testgeschäften ein Teil der Handelsfunktion selbst zu übernehmen. Heute kommen aber wieder bedeutende Handelskunden
zurück, weil der Verbraucher unsere Marke wünscht, wir Qualität und vor allem gröAzte Flexibilität bieten. Wir haben
letztes Jahr 4600 verschiedene Kunden beliefert, dazu gehören natürlich auch Industriekunden.

TW: Trigema verkauft auch über einen Online-Shop. Wie funktioniert das?

W.G.: Wir haben wegen unserer Testgeschäfte erst vor drei Jahren begonnen, unsere Waren auch online, allerdings zu
Original-Einzelhandelspreisen, anzubieten. Ich war sehr überrascht, dass beides problemlos nebeneinander funktioniert.

TW: Macht Ihnen der Strukturwandel, der derzeit im Handel abläuft, nicht Sorgen? Viele kleine Einzelhändler
verschwinden. Vertikale Ketten treten an ihre Stelle, die nicht Ihre Kunden sind. Welche Konsequenz hat das für Trigema?

W.G.: Das gröAzte Problem war der Abbau der Arbeitsplätze und die Bekleidungskultur. Ein Arbeitsloser kann unsere
Produkte nicht mehr kaufen. Und für viele, die es sich zwar leisten könnten, ist das Anziehen nicht mehr so wichtig.

TW: Aber welche Konsequenz ziehen Sie als Unternehmer daraus?

W.G.: Wir müssen unsere Testgeschäfte danach ausrichten; sie zum Teil irgendwo anders positionieren. Wir müssen sie also
konstant dem Wandel der Zeit anpassen, auch was die Wertigkeit der Marke angeht.

TW: Gibt es neue Geschäftsfelder? Corporate Wear?

W.G.: Industriekunden haben wir schon lange. Dieses Geschäft zieht im Moment stark an, nachdem die Wirtschaft wieder
boomt.

TW: Ist Export ein Thema für Trigema? Zurzeit stürmt die Branche ja Osteuropa.

W.G.: 96 % unserer Umsätze tätigen wir in Deutschland. Hier gibt es für uns noch genügend Potenzial. Im Ausland ist
unsere Marke kaum bekannt. Wollte ich dies ändern und aus Trigema eine Weltmarke machen, dann müsste ich, wie viele
andere auch, an die Börse gehen. Aber dies würde ich meinen Mitarbeitern nicht antun, deshalb bleibe ich lieber kleiner,
aber hundert Prozent selbstständig und unabhängig.

TW: Sie haben vergangenes Jahr auch ein kompostierbares A–ko-T-Shirt auf den Markt gebracht. Wie verkauft sich das?

W.G.: Das ist für uns die Zukunft. Wir wollten diese Neuheit als erster Textilproduzent bringen. Wir müssen die Umwelt
schonen, dürfen Ressourcen nicht verschwenden. Wir werden zum Herbst mit einer gröAzeren Kollektion weitermachen.

TW: Und Sie machen wie so viele andere auch eine Celebrity-Kollektion - T-Shirts von Claudia Effenberg. Funktioniert
das? Oder ist das mehr ein PR-Gag?

W.G.: Natürlich ist der PR-Effekt erwünscht, aber die Kollektion wird auch entsprechend nachgefragt.

TW: Sie bieten in Burladingen auch Betriebsbesichtigungen an. Das kostet dann 3 Euro. Wie wird das angenommen?

W.G.: Wir hatten letztes Jahr fast 10000 Besucher! Für diese ist es sehr interessant, weil wir die letzte
Textilproduktion vom Garn über die Stoffherstellung, Ausrüstung, Stickerei/Druckerei und Konfektion im eigenen Hause
haben.

TW: Sie sind gerade 65 geworden. Wann geht Wolfgang Grupp in Rente?

W.G.: Das werde nicht ich bestimmen, sondern darüber befindet meine Familie oder der liebe Gott. Ich finde, das Schönste
im Leben ist es, gebraucht zu werden! Dieses Gefühl wird mir zurzeit noch von meinen Mitarbeitern und meiner Familie
gegeben.

TW: Gibt es in Ihrem Betrieb denn Leute, die Ihnen ehrlich sagen würden: "Mensch Grupp, jetzt ist aber mal gut"?

W.G.: Ich glaube schon. Man merkt, wenn man nicht mehr gefragt ist.

TW: Das Unternehmen ist aber doch sehr auf Ihre Person zugeschnitten. Wer soll einmal Ihre Nachfolge antreten?

W.G.: Ich selbst werde keinen Nachfolger einstellen. Meine Frau ist ja im Unternehmen. Darüber müsste sie dann
entscheiden, ob sie es mit den Mitarbeitern macht oder jemanden sucht.

TW: Ihre Kinder sind im Teenager-Alter. Woher wissen Sie jetzt schon, dass die beiden oder einer der beiden sich als
Nachfolger eignet?

W.G.: Mein Sohn ist sechzehn und meine Tochter siebzehneinhalb. Natürlich müssen sie erstmal Abitur machen, und danach
werden sie studieren. Beide sind interessiert. Ich würde meinen Kindern das nicht vorschreiben, aber warum sollen sie es
nicht machen? Sie sind wie ich mit dem Unternehmen groAzgeworden.

TW: Haben bei Ihnen schon mal Finanzinvestoren angeklopft? Als profitables Unternehmen sind Sie doch sicher attraktiv
für die Heuschrecken?

W.G.: Selbstverständlich wird auch bei uns angefragt, aber bis jetzt habe ich abschlägig geantwortet. Denn ich bin mir
sicher: Wenn ich das Unternehmen verkaufen würde, stünden die Arbeitsplätze in Burladingen auf dem Spiel. Mit einer
Verlagerung dieser Arbeitsplätze könnte ein Finanzinvestor kurzfristig groAzen Profit machen, aber langfristig würde das
Unternehmen Schiffbruch erleiden, und dies darf ich meinen Mitarbeitern nicht antun.

TW: Man kennt Sie nur im MaAzanzug. Tragen Sie eigentlich auch mal ein Trigema-T-Shirt?

W.G.: Natürlich trage ich nur Trigema-Unterwäsche. Und in der Freizeit auch ein Polo-Hemd.

Das Gespräch führte Jürgen Müller


Wolfgang Grupp steht seit 1969 an der Spitze von Trigema. Der damals 27-Jährige übernahm das in finanzielle
Schwierigkeiten geratene Unternehmen im schwäbischen Burladingen von seinem Vater Franz Grupp und sanierte es in wenigen
Jahren. Während die Textilindustrie auf der Schwäbischen Alb einen beispiellosen Niedergang durchmachte, konnte Grupp
das Geschäft sukzessive ausbauen. Seit seinem Antritt hat er den Umsatz verzehnfacht. Zuletzt setzte Trigema 82,8 Mill.
Euro um (Produktionsumsatz). Das Unternehmen unterhält Produktionsstätten in Burladingen sowie Altshausen,
Balingen-Engstlatt und Rangendingen. Rund 1200 Mitarbeiter arbeiten in Weberei, Ausrüstung, Konfektion,
Druckerei/Stickerei sowie in 44 Läden, Testgeschäfte genannt. Trigema wurde 1919 von den beiden Brüdern Josef und Eugen
Mayer gegründet. Nach dem Ausstieg von Eugen Mayer führte Josef Mayer die Mechanische Trikotwarenfabrik Gebr. Mayer KG
weiter. 1939 trat Josef Mayers Schwiegersohn Dr. jur. Franz Grupp in die Firma ein, der Vater von Wolfgang Grupp. Der
etablierte den Geschäftsbereich T-Shirt und Tennisbekleidung unter dem Namen Trigema und machte aus dem Wäschehersteller
einen Anbieter von modischer Freizeitbekleidung.
In der A–ffentlichkeit ist Wolfgang Grupp durch seinen TV-Werbespot mit dem Schimpansen bekannt. Er ist häufiger Gast in
Talkshows und äuAzert sich in zahlreichen Interviews zu gesellschaftlichen und Management-Fragen. jm


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Aus: Textil-Wirtschaft
Erschienen am 31.Mai 2007

Warum es sich lohnt, in Deutschland zu produzieren. Wieso Unternehmer einen Steuerrabatt verdienen. Wer die Idee mit dem
Affen hatte. Der Trigema-Inhaber über sein Unternehmen, unternehmerische Moral und die A–ffentliche Person Wolfgang
Grupp.


TW: Kennen Sie Dov Charney?

Wolfgang Grupp: Helfen Sie mir auf die Sprünge.

TW: Das ist der Inhaber des US-Herstellers American Apparel, der seine T-Shirts zu sozialverträglichen Bedingungen
ausschlieAzlich in der Heimat produziert.

W.G.: American Apparel kenne ich natürlich.

TW: Würden wir Ihnen zu nahe treten, wenn wir Sie als den deutschen Dov Charney bezeichnen? Oder ist Dov Charney eher
der amerikanische Wolfgang Grupp?

W.G.: (lacht) Er hat ja mit seiner Firma groAzen Erfolg.

TW: Worauf wir hinaus wollen: Wir haben im Modebusiness derzeit viele neue Marken, die sich über soziale Werte
positionieren. Etwas, was Trigema schon immer macht. Ist es nicht eine ironische Wendung, dass Sie mit Ihrer
traditionellen Haltung sich mittlerweile an der Spitze des Fortschrittes wähnen dürfen?

W.G.: Es spricht nicht für die anderen, dass sie so lange gebraucht haben, um zu verstehen, dass auch die Wirtschaft nur
auf der Grundlage von Werten funktionieren kann. Wir haben immer die Verantwortung für alles gesehen, was wir tun. Für
die Menschen. Für die Umwelt. Das ist mein prinzipielles Credo, das ich versucht habe, konstant zu beachten. Das hat mir
geholfen, auch schwierige Jahre zu überstehen. Anständigkeit - um es mal so pauschal zu sagen - zahlt sich immer aus.

TW: Inwieweit spielen Sie die patriotische Karte im kommerziellen Spiel?

W.G.: Was heiAzt patriotisch? Mir sind die Menschen um mich herum näher als diejenigen, die ich gar nicht kenne. Dieses
Miteinander ist für mich eine unternehmerische Verpflichtung. Es gibt sicherlich viele Verbraucher, die den Wert
schätzen, dass sie mit dem Kauf unserer Produkte Arbeitsplätze in Deutschland sichern. Das ist sicherlich ein Grund
dafür, dass es uns heute noch gibt.

TW: Sind die Menschen wirklich bereit, ein paar Euro draufzulegen, um Arbeitsplätze auf der Schwäbischen Alb zu sichern?
Zählt an der Ladenkasse am Ende nicht der günstigste Preis?

W.G.: Der Verbraucher ist sicherlich bereit, für mehr Leistung auch mehr Geld auszugeben. Dieses Mehr kann bestehen in
einer besseren Qualität, in einer groAzen Flexibilität, das heiAzt schnelle Anpassung an den Markt oder modische Effekte.
Ist dieses Mehr gegeben, spielt natürlich auch der soziale Aspekt eine Rolle. Aber allein reicht dieses Argument sicher
nicht aus.

TW: Was machen Sie bei Trigema anders, dass Sie sich die Deutschland-Produktion offensichtlich leisten können?

W.G.: Ein Punkt, den ich in meinen 38 Jahren bei Trigema stets beachtet habe, war das Bewusstsein für Kosten.
Asberflüssig gewordene Kosten mussten sofort erkannt und konsequent abgebaut werden.

TW: Eine urschwäbische Tugend.

W.G.: Nehmen Sie das Thema Messen: Als wir merkten, dass dort nur noch Hände schütteln wichtig war und kein Umsatz
gemacht wurde, haben wir den Messebesuch als Aussteller abgeschafft.
Wenn also jemand erzählt, dass die Situation schwierig sei und er Kosten abbauen müsse, dann gibt er im Prinzip zu, in
guten Zeiten sinnlose Kosten gehabt zu haben, die er jetzt, nachdem es ihm schlechter geht, abbauen muss. Sinnlose
Kosten darf man aber nie haben, sie müssen konstant, wenn sie nicht mehr gebraucht werden, erkannt und abgebaut werden.

TW: Viele sparen Kosten, indem sie die Produktion ins Ausland verlagern.

W.G.: Wer ins Ausland geht, um zu produzieren, muss aufpassen, denn nicht selten erhöhen sich dann sehr stark seine
Verwaltungskosten. Wir haben bei 1200 Beschäftigten nur 32 in der Verwaltung. Im übrigen frage ich mich, warum bekannte
Marken, die am Markt sehr teuer verkauft werden, überhaupt im Ausland produzieren müssen, denn bei solchen Preisen
dürfte dies kein Problem im Inland sein. Vor allem, weil bei diesen Marken die Qualität an erster Stelle stehen sollte,
und diese zu überwachen ist im Inland viel einfacher.

TW: Und zu welchem Ergebnis kommen Sie?

W.G.: Ich kannte viele Textilproduzenten; die meisten waren gestandene Millionäre, als sie ausschlieAzlich in ihrem
Heimatland produzierten. Ich kenne aber keinen einzigen, dem es besser geht, seit er die angeblich so billigen
Arbeitskräfte im Ausland nutzt. Ich kenne aber viele, denen es wesentlich schlechter geht oder die von der Bildfläche
verschwunden sind. Der gröAzte Fehler war, dass zu viele Textilproduzenten dem Handel zu lange nachgelaufen sind und sich
die Preise diktieren lieAzen. Am Ende hat der Handel dann dennoch seine Ware im Ausland beschafft. Nicht selten kam dann
der Unternehmensberater und verordnete im Auftrag einer Bank die Produktionsverlagerung. Trigema hat mehrmals seinen
kompletten Kundenstamm austauschen müssen, weil wir bei den Preisen nicht nachgegeben haben. Als wir uns 1988 von einem
groAzen Discounter verabschiedet haben, mit dem wir zuletzt 25 Mill. DM Umsatz im Jahr machten, musste ich erkennen, dass
ich als Produzent auch ein Teil der Handelsfunktion übernehmen muss, um nicht konstant in Abhängigkeit meiner Kunden zu
sein.

TW: Sie sind ja für prononcierte Ansichten bekannt und deshalb ein häufiger Gesprächspartner der Medien. Was hat Ihr
Unternehmen davon?

W.G.: Wenn positiv über Trigema gesprochen wird, dann kann das nicht negativ sein. Das ist sicherlich eine gewisse
Werbung. Aber darum geht es mir gar nicht in erster Linie. Wenn ich nach meiner Meinung gefragt werde, dann nehme
ich das gerne an. Schmeichelt die A–ffentliche Beachtung nicht auch ein wenig Ihrer Eitelkeit?
Wenn meine Meinung in einer A–ffentlichen Debatte gefragt ist, dann werde ich sicher die Chance nicht ausschlagen. Zudem
ist es auch für mich eine gewisse Genugtuung, mich A–ffentlich zu den Arbeitsplätzen in Deutschland zu bekennen und vor
allem zu zeigen, dass es noch möglich ist, diese hier zu erhalten.

TW: Macht es Ihnen SpaAz zu provozieren?

W.G.: Was ich sage, ist in meinen Augen nicht provokant. Ich bin zwar direkt, und das mag man als provokant ansehen.
Aber ich sage konstant die Wahrheit, und diese muss man eben auch ertragen können.

TW: Es wird aber auch Unfreundliches über Sie geschrieben.

W.G.: Ich kann mich nicht beschweren. Wenn einer unfreundlich über mich schreibt, dann erträgt er die Wahrheit nicht.
Damit kann ich problemlos leben.

TW: Wer hatte eigentlich die Idee mit dem Affen?

W.G.: Die Idee wurde mir irgendwann mal angeboten. Ich fand die Idee groAzartig: Ein Affe als "Tagesschau-Sprecher".

TW: Wir haben ihn lange nicht gesehen.

W.G.: Der kommt nach wie vor, nicht jeden Tag, aber schon ein paar Mal im Monat.

TW: Sie äuAzern sich viel und gern zu gesellschaftlichen Fragen. Warum sind Sie kein Politiker geworden?

W.G.: Man kann nur auf einer Hochzeit tanzen. Ich bin kein Fachmann in politischen Fragen. Wenn ich nach meiner Meinung
gefragt werde, geht es in der Regel um wirtschaftliche Fragen.

TW: Was würden Sie als erstes ändern, wenn Sie Bundeskanzler wären?

W.G.: Die Verantwortung eines jeden Einzelnen muss in unsere Gesellschaft zurück! Derjenige, der im GröAzenwahn
Entscheidungen fällt, sollte auch für diese Entscheidungen gerade stehen. Und zwar mit seinem persönlichen Vermögen!
Dann wären viele Entscheidungen ganz anders. Sie wären überlegter und würden vor allem nicht dem GröAzenwahn unterliegen.
Viele groAze Pleiten wären uns erspart geblieben, wenn die Manager für ihre Entscheidungen hätten haften müssen. Wenn Sie
aber Millionen-Gehälter beziehen und am Schluss, nach dem Desaster, auch noch mit einem goldenen Handschlag
verabschiedet werden, dann dürfen wir uns nicht über viele Fehlentscheidungen wundern. Ich würde sofort die
Einkommenssteuer auf 60 Prozent anheben und denen, die persönlich für ihre Entscheidungen gerade stehen, 50 Prozent
Steuerrabatt geben. Dann würde sich die Spreu vom Weizen trennen, und man wüsste genau, mit was für einem Unternehmer
man es zu tun hat.

TW: Glauben Sie, dass Sie mit Ihren A–ffentlichen Auftritten etwas bewirken?

W.G.: Zumindest erinnere ich an die Werte, die früher selbstverständlich waren.

TW: Die Presse nennt Sie gerne den "König von Burladingen". Nicht nur wegen der Bedeutung Ihrer Firma für den Ort,
sondern auch wegen Ihrer Haltung. Sie zeigen Ihren Besitz, beschäftigen einen Butler, haben einen Hubschrauber und
inszenieren sich gerne als uneingeschränkter Herrscher über Ihre Betriebsfamilie. Verstehen Sie, dass es Leute gibt, die
das nicht zeitgemäAz finden?

W.G.: Da wird viel geschrieben. "König" heiAzt für mich, Verantwortung für sein Umfeld zu übernehmen. Dass ich etwas für
meine Heimat tue, ist für mich selbstverständlich, und dazu gehört vor allem der Versuch, die Arbeitsplätze zu erhalten.

TW: Sie argumentieren sozial - die erste Aufgabe des Unternehmers sei es, Arbeitsplätze zu schaffen - aber
Gewerkschafter kommen Ihnen wahrscheinlich nicht ins Haus. Oder?

W.G.: Ich habe selbstverständlich einen Betriebsrat und überhaupt kein Problem mit der Gewerkschaft. Wenn ich den
Mitarbeitern all das gebe, was ich ihnen bei der Einstellung versprochen habe, dann liefere ich auch den Gewerkschaften
keine Argumente. Deshalb sage ich etwas lapidar: Die Gewerkschaften sind so schwach, wie die Unternehmer stark sind,
oder so stark, wie die Unternehmer schwach sind!


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