Die Gier nach Größenwahn
Aus: Augsburger Allgemeine
Erschienen: 05.04.2008
Von Wolfgang Kahler
Buch Die Landfrauen waren begeistert. Zumindest berichtete das Kreisbäuerin Hildegard Mack nach dem Auftritt von
Wolfgang Grupp. Der Textil-Unternehmer aus dem baden-württembergischen Burladingen hat Montag in der Bucher
Rothtalhalle schwer vom Leder gezogen. Er schimpfte über die Verantwortungslosigkeit von Managern und forderte
eine Vorbildfunktion von Unternehmern.
Der drahtig wirkende Mittsechziger im feinen Zwirn und weiAz-blau gemustertem Hemd ist Chef von 1200 Beschäftigten und
wird in Medien schon mal als "der Hexer von der Schwäbischen Alb" bezeichnet. Grupp lässt seine Kleidungsstücke
mit dem Markennamen "Trigema" ausschlieAzlich an deutschen Standorten produzieren.
Zeche übernehmen
"Manager kassieren nach Milliarden-Verlusten noch Millionen-Abfindungen" und wunderten sich, warum die Wirtschaft
nicht mehr floriert, analysierte Grupp die aktuelle weltweite Krise. Unternehmen wie Hypo-Real-Estate, Merck und
Schaeffler seien der "Gier nach GröAzenwahn" verfallen. Als Beispiel nannte er das Ende des bekannten Textilherstellers
"Schiesser", bei dem 3000 Arbeitsplätze verloren gingen. "Wir müssen die Zeche für GröAzenwahnsinnige übernehmen",
sagte Grupp, weil erfolgreichen Familienunternehmen "Heuschrecken" vor die FüAze geworfen wurden.
Als einzige Möglichkeit, solche Entwicklungen künftig zu verhindern, sieht Grupp, dass Entscheidungsträger haften
müssten. Einkommenssteuern für Manager sollten auf 60 Prozent erhöht werden, die Steuern voll haftender Unternehmer
gesenkt werden.
Seiner Ansicht nach sei der Standort Deutschland besser als sein Ruf, aber nur wenn es verantwortungsvolle Unternehmer
gebe, die eine Vorbild-Funktion übernehmen müssten. Am Beispiel seiner Firma erzählt Grupp, immer wieder von heftigem
Beifall der Landfrauen unterstützt, wie es bei Trigema funktioniert. Dort hat der Firmenboss kein eigenes Arbeitszimmer.
Er will ständig mit den Mitarbeitern in Kontakt stehen. AuAzerdem soll sein Betrieb überschaubar bleiben und er
müsse sich in der Produktion selbst auskennen. GröAzter Vorteil der inländischen Produktion sei die Flexibilität:
Innerhalb von wenigen Tagen eine speziell bestellte Ware, beispielsweise Polo-Shirts, liefern, sei für ihn kein
Problem im Vergleich zu einem chinesischen Hersteller. Ein wichtiger Aspekt seines Erfolges: Kosten und bürokratischen
Aufwand abspecken - so hat er seine Sekretärin angewiesen, als die Post immer gröAzere Umfänge annahm:
"60 Prozent davon ungeöffnet in den Papierkorb". AuAzerdem lässt er alle seine Finanzgeschäfte nur von einer Bank
erledigen, über ein eigenes Einkommen, ein Geschäftsführer-Gehalt etwa, verfüge er nicht und "mein Privatvermögen ist
die Firma".
Obwohl er sich als "echten Kapitalisten" bezeichnet, legt er doch groAzen Wert auf zufriedene Beschäftigte, die oft schon
eine Generation lang im Unternehmen arbeiten. Er garantiert allen Kindern seiner Mitarbeiter Ausbildungsplätze.
Seine Firma habe eine Eigenkapitalausstattung von 100 Prozent, auf Bankkredite sei sie nicht angewiesen, hob
Grupp hervor. Zum Thema des Landfrauen-Tages bezeichnete Grupp die Kleinfamilie als Vorbild und Basis - weil es
wenige Entscheider und Hierarchieebenen gebe - wie bei seiner Firma. Sollte sein Unternehmen ein Problem bekommen,
könne er nur einem die Schuld geben: "Der bin ich selbst."



