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Das Hoffen auf die ehrbaren Kaufleute

Aus: nw-news.de
Erschienen: 11.09.2009

Das Hoffen auf die ehrbaren Kaufleute
Unternehmerkongress der EK-Servicegroup in Bielefeld über "die Werte des Mittelstands"

von Martin Krause

Bielefeld. Was haben ein kapitalismuskritischer christlicher Politiker, ein patriarchalischer süddeutscher Wäschefabrikant und der ostwestfälische Chef eines weltweit erfolgreichen Markenunternehmens gemeinsam? Sie setzen auf Familien und loben die Werte des klassischen Mittelstandes.

Heiner Geißler (CDU) warnte seine Zuhörer beim Unternehmerkongress der Bielefelder EK-Servicegroup davor, sich durch allzu kurzfristige quartalsmäßige Orientierung zu Spekulanten zu entwickeln. "Der Mittelständler weiß: Das Kapital hat den Menschen zu dienen und soll sienicht beherrschen."

Bestes Beispiel für eine vom Kapitalmarkt verformte Wirtschaft sei die Schließung des Nokia-Werkes in Bochum. Geißler erinnerte daran, dass dort durchaus Gewinne erzielt worden seien, die den Investoren aber nicht genügten. Um die Renditen zu erhöhen, sei die Produktion nach Rumänien verlagert worden, und die Zerstörung der wirtschaftlichen Existenz von tausenden Mitarbeitern sei in Kauf genommen worden.
Geißler: Mittelständler sind engagierte Leistungsträger

Dass dies nicht richtig sei, wüssten Mittelständler, sagte Geißler überzeugt. Mittelständler seien engagierte Leistungsträger, die sich moralisch verpflichtet fühlten, denen die Ausbildung der Kinder wichtiger sei als ein neuer Luxuswagen und die nicht vornehmlich an immer höheren Bonuszahlungen interessiert seien, obendrein gar finanziert durch Personalabbau.

Eine Rückkehr zu den Prinzipien ehrbarer Kaufleute mahnte Wolfgang Grupp an, der Chef und Gesellschafter des Modeherstellers Trigema (1.200 Mitarbeiter). Grupp wetterte darüber, wie die einstige "Goldgrube Schiesser" durch zweifelhaftes Geschäftsgebaren in den Ruin geführt wurde und wie die einstigen Kaufhauskönige von Karstadt und Hertie bis Quelle und Neckermann einer nach dem anderen von der Bildfläche verschwanden. Grupp, Jesuitenschüler wie Geißler, warb dafür, Manager und Unternehmer wieder mehr zur Verantwortung zu ziehen: "Ein Konkurs war früher eine Schande. Heute ist eine Insolvenz ja kein Problem mehr."

Grupps Firma Trigema ist bekannt dafür, trotz des harten Wettbewerbs aus Billiglohnländern ausschließlich in Deutschland zu produzieren. Die Mitarbeiter müssten das Gefühl haben, gebraucht zu werden, sagt er. "Von einem, der dauernd mit dem Abbau seines Arbeitsplatzes bedroht wird, kann man nicht noch Leistung erwarten." Während Geißler von einer "menschlichen Gesellschaft" sprach, zu der "Arbeitsplätze in erreichbarer Nähe" gehörten ("damit die Menschen ihre Wurzeln und ihre Heimat behalten können"), setzt Grupp gern auf Mitarbeiter aus der Umgebung seines Städtchens Burladingen in Baden-Württemberg. Bewerbungen aus Hamburg machten ihn misstrauisch ("eine Super-Flasche?"), gern stelle er hingegen Kinder von bewährten Mitarbeitern ein. Denn "der Apfel fällt nicht weit vom Stamm."

Der Gütersloher Markus Miele attestierte den Mittelständlern vor allem Mut. Gemeint sei der Mut, ausgelassene Pfade zu verlassen und neue Geschäftsfelder zu erschließen, aber Mut sei auch erforderlich, um erfolglose oder wenig aussichtsreiche Geschäftsbereiche wieder aufzugeben, so Miele. Erfolgreiche Mittelständler zeichneten sich durch Eigenschaften wie Mut, Integrität und Loyalität aus.


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