{"id":3080,"date":"2017-08-03T01:00:42","date_gmt":"2017-08-02T23:00:42","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.trigema.de\/?p=3080"},"modified":"2019-10-17T14:21:19","modified_gmt":"2019-10-17T12:21:19","slug":"kleider-machen-leute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.trigema.de\/magazin\/kleider-machen-leute\/","title":{"rendered":"Kleider machen Leute \u2013 Mode als Statussymbol"},"content":{"rendered":"<span class=\"rt-reading-time\" style=\"display: block;\"><span class=\"rt-label rt-prefix\">Lesedauer ca. <\/span> <span class=\"rt-time\">4<\/span> <span class=\"rt-label rt-postfix\">Minuten<\/span><\/span><p>Viele von uns kennen sicherlich noch die Novelle \u201e<strong>Kleider machen Leute<\/strong>\u201c von Gottfried Keller. F\u00fcr alle, die sie nicht kennen oder in lang verschollenem Deutsch-Unterricht-Wissen kramen m\u00fcssen, hier eine ganz kurze Zusammenfassung:<\/p>\n<p>\u201eEs geht in der Geschichte um den jungen, armen und sch\u00fcchternen Schneiderlehrling Wenzel Strapinski. Trotz seines niedrigen sozialen Status und seiner Armut achtet Wenzel sehr auf sein \u00c4u\u00dferes und wird eines Tages aufgrund seiner sch\u00f6nen Kleider in dem St\u00e4dtchen Goldbach f\u00fcr einen polnischen Grafen gehalten. Zuerst hat Wenzel ein schlechtes Gewissen, aber Hunger und Obdachlosigkeit bringen es zum Schweigen und er genie\u00dft eine Zeit lang alle Annehmlichkeiten, die ihm die armen B\u00fcrger von Goldbach bieten. Der vermeintliche Graf verliebt sich alsbald in die h\u00fcbsche Tochter des hohen Amtsrats, \u201eNettchen\u201c und eine Verlobung wird gefeiert.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich fliegt der ganze Schwindel auf und Wenzel verl\u00e4sst bitterarm und in Schande die Stadt. Es gibt trotzdem ein Happy End \u2013 denn Nettchen liebt ihren Wenzel auch als armen Schneider und folgt ihm. Am Ende wird doch noch geheiratet, und Wenzel mausert sich zu einem angesehenen Kaufmann. Er kann also alle Vorurteile und Standesvorgaben brechen.\u201c<br \/>\nIn dieser sch\u00f6nen und vor allem lehrreichen Novelle siegt die Liebe \u00fcber Stand und Status!<\/p>\n<p>Kellers Geschichte &#8222;<strong>Kleider machen Leute<\/strong>&#8220; spielt um das Jahr 1830, k\u00f6nnen wir das nun auf heute \u00fcbertragen? Aber sicher, mehr als jemals! Gerade heute spielt Kleidung eine gro\u00dfe Rolle als Statussymbol. Neben den ganzen Autos, Handys und \u00e4hnlichem bietet Kleidung eine M\u00f6glichkeit uns nach au\u00dfen hin zu pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-3493 size-full\" src=\"https:\/\/www.trigema.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Statussymbole.jpg\" alt=\"\" width=\"795\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/www.trigema.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Statussymbole.jpg 795w, https:\/\/www.trigema.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Statussymbole-300x226.jpg 300w, https:\/\/www.trigema.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Statussymbole-768x580.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 795px) 100vw, 795px\" \/><\/p>\n<h2>Statussymbol Kleidung<\/h2>\n<p>Das Statussymbol Kleidung l\u00e4sst sich in 2 gro\u00dfe Kategorien einteilen:<\/p>\n<ul>\n<li>Differenzierung<\/li>\n<li>Zuschreibung<\/li>\n<\/ul>\n<p>Unter der \u201eStatusdifferenzierung\u201c versteht man z.B. die sozialen Unterschiede, arm und reich, Gruppenzugeh\u00f6rigkeit zu elit\u00e4ren Vereinen oder Clubs oder auch politische Haltung. Hier wird deutlich gemacht, wer man ist und was man darstellt. Als Machtdemonstration kann Kleidung den Status einer Person sehr deutlich hervorheben, K\u00f6nige, W\u00fcrdentr\u00e4ger, respekteinfl\u00f6ssende Richtertalare, selbst Stammesh\u00e4uptlinge differenzieren sich \u00fcber ihr \u00c4u\u00dferes.<\/p>\n<p>Unter die \u201eZuschreibung\u201c fallen z.B. die Zugeh\u00f6rigkeiten zu bestimmten Berufsgruppen, oder auch Mannschaften und Verb\u00e4nden. Einen Polizisten erkennt jeder aufgrund seiner Dienstkleidung, ebenso \u00c4rzte oder auch Sportler eines bestimmten Teams. In diesem Fall ist die Bekleidung keine Abgrenzung des Einzelnen, sondern ein Zugeh\u00f6rigkeitsmerkmal zu einer bestimmten Gruppe. Und das trifft auch f\u00fcr jegliche Kulturkreise zu \u2013 wer erkennt nicht die orange-farbigen Kutten buddhistischer M\u00f6nche? Niemand w\u00fcrde es wagen sich so zu kleiden, wenn er nicht dazu geh\u00f6rt. Manch ein Hochstapler nutz diese Zugeh\u00f6rigkeits-Assoziation aber auch erfolgreich aus \u2013 immer wieder gibt es ja b\u00f6se Schlagzeilen \u00fcber Scharlatane als \u00c4rzte oder angebliche Polizisten mit den Uniformen aus dem Kost\u00fcmverleih.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich vermischen sich Differenzierung und Zuschreibung, man kann sich ja aufgrund seines sozialen Status von anderen abheben und trotzdem einer Gruppe zugeh\u00f6rig f\u00fchlen. Schwarz und wei\u00df gibt es hier auch nicht.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-7469 size-full\" src=\"https:\/\/www.trigema.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/differenzierung_zuschreibung-min.jpg\" alt=\"Unterschiedliche Bilder von Marine, Papst, Queen, K\u00f6nig Karl III. von Spanien und einem Baseball Team. \" width=\"795\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/www.trigema.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/differenzierung_zuschreibung-min.jpg 795w, https:\/\/www.trigema.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/differenzierung_zuschreibung-min-480x362.jpg 480w, https:\/\/www.trigema.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/differenzierung_zuschreibung-min-660x498.jpg 660w, https:\/\/www.trigema.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/differenzierung_zuschreibung-min-768x580.jpg 768w, https:\/\/www.trigema.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/differenzierung_zuschreibung-min-24x18.jpg 24w, https:\/\/www.trigema.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/differenzierung_zuschreibung-min-48x36.jpg 48w, https:\/\/www.trigema.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/differenzierung_zuschreibung-min-411x310.jpg 411w\" sizes=\"(max-width: 795px) 100vw, 795px\" \/><\/p>\n<p>Uns Menschen ist von jeher wichtig von anderen akzeptiert und respektiert zu werden. Das versuchen wir unter anderem mit unserer Kleidung zu erreichen. Wer den neuesten Trends folgt und immer up-to-date ist, wird als angesehenes Mitglied unserer Gesellschaft aufgenommen. Wer sich keine teuren Marken-Artikel leisten kann, kauft bei Billigketten, denn auch diese verfolgen ja die neuen Trends und kopieren Style und Aussehen teurer Marken und f\u00fchrender Designer.<\/p>\n<p>Dieses Ph\u00e4nomen nennt man \u201eUniformierungstendenz\u201c \u2013 wir sprechen nicht von der Uniform im Sinne des Milit\u00e4rs oder der Schule, sondern von der Tendenz, dass sich die \u201eunteren Schichten\u201c uniform zu den oberen kleiden wollen um im sozialen Umfeld besser angesehen zu sein. Das ist auch nicht erst seit gestern der Fall, sondern seit Jahrhunderten. Nur galt fr\u00fcher z.B. allein schon die Stoffqualit\u00e4t als Statussymbol, heute sind es Labels, Markenzeichen und Logos, die den Wert eines Kleidungsst\u00fcckes darstellen.<\/p>\n<p>Diese allgemeine Angleichung hat zur Folge, dass \u201evon oben\u201c immer neue Moden kreiert, getragen und unter die Leute gebracht werden um sich wieder eine Zeit lang abzuheben. Das ist der Lauf der Zeit und der Wandel der Dinge. Heutzutage passiert das alles einfach schneller als fr\u00fcher, durch die Digitalisierung und schnelle Verbreitung gelangen die Trends viel schneller unter die Leute.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-7468 size-full\" src=\"https:\/\/www.trigema.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Frueher_Heute_Mix-min.jpg\" alt=\"Vergleich der Mode von fr\u00fcher und heute.\" width=\"795\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/www.trigema.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Frueher_Heute_Mix-min.jpg 795w, https:\/\/www.trigema.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Frueher_Heute_Mix-min-480x362.jpg 480w, https:\/\/www.trigema.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Frueher_Heute_Mix-min-660x498.jpg 660w, https:\/\/www.trigema.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Frueher_Heute_Mix-min-768x580.jpg 768w, https:\/\/www.trigema.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Frueher_Heute_Mix-min-24x18.jpg 24w, https:\/\/www.trigema.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Frueher_Heute_Mix-min-48x36.jpg 48w, https:\/\/www.trigema.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Frueher_Heute_Mix-min-411x310.jpg 411w\" sizes=\"(max-width: 795px) 100vw, 795px\" \/><\/p>\n<h2>Kleidung dient als Kommunikationsmittel<\/h2>\n<p>Warum aber versuchen wir denn mit aller Macht anderen hinterher zu laufen, anstatt unsere Kleidung nach unserer eigenen inneren Haltung auszuw\u00e4hlen. Kleidung ist der erste Weg zur Kommunikation mit unserer sozialen Umwelt und Mittel zur Selbstdarstellung.<br \/>\nUnser Ausdruck nach au\u00dfen hin sollte doch ganz uns selbst repr\u00e4sentieren, denn grunds\u00e4tzlich spiegelt doch unsere Kleidung die Grundz\u00fcge unseres Charakters wider. Jemandem, der auf seinem Schreibtisch und in seinem Schrank keine Ordnung halten kann wird man das auch ansehen, jemand mit einer extrem \u00f6kologischen Weltanschauung wird immer als \u201e\u00d6ko\u201c erkennbar sein und ein pedantischer Bankangestellter wird sicher nie im \u201eunfinished Look\u201c herumlaufen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-7467 size-full\" src=\"https:\/\/www.trigema.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Anzug_fr\u00fcher_heute-min.jpg\" alt=\"Vergleich zwischen zweier Anz\u00fcge von fr\u00fcher und heute.\" width=\"795\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/www.trigema.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Anzug_fr\u00fcher_heute-min.jpg 795w, https:\/\/www.trigema.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Anzug_fr\u00fcher_heute-min-480x362.jpg 480w, https:\/\/www.trigema.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Anzug_fr\u00fcher_heute-min-660x498.jpg 660w, https:\/\/www.trigema.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Anzug_fr\u00fcher_heute-min-768x580.jpg 768w, https:\/\/www.trigema.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Anzug_fr\u00fcher_heute-min-24x18.jpg 24w, https:\/\/www.trigema.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Anzug_fr\u00fcher_heute-min-48x36.jpg 48w, https:\/\/www.trigema.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Anzug_fr\u00fcher_heute-min-411x310.jpg 411w\" sizes=\"(max-width: 795px) 100vw, 795px\" \/><\/p>\n<p>Und das soll auch so sein und bleiben, denn jeder ist anders und darf sich auch so zeigen wie er ist! Ob da nun ein Logo 100fach auf der Tasche steht, ob ich es mir leisten kann das Gucci-Bling-Bling-Kleid zu kaufen oder nicht, es ist doch eigentlich egal.<br \/>\nEs war, ist und wird immer so sein, dass Menschen in ausgeschlossen oder in soziale Schubladen gesteckt werden, aufgrund der Kleidung oder ihres Aussehens.<br \/>\nWir sollten zuerst dar\u00fcber nachdenken, als \u00fcber den Kauf des n\u00e4chsten Statussymbols f\u00fcr unseren Kleiderschrank!<\/p>\n<p>In jedem von uns steckt doch ein kleiner \u201eWenzel\u201c und wir brauchen auf der Welt viel mehr \u201eNettchen\u201c, denen Aussehen und Klamotten egal sind, die auf die inneren Werte achten und Menschen so nehmen, wie sie sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span class=\"rt-reading-time\" style=\"display: block;\"><span class=\"rt-label rt-prefix\">Lesedauer ca. <\/span> <span class=\"rt-time\">4<\/span> <span class=\"rt-label rt-postfix\">Minuten<\/span><\/span> Viele von uns kennen sicherlich noch die Novelle \u201eKleider machen Leute\u201c von Gottfried Keller. 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