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So schadet die Textilindustrie unserer Umwelt

In den vergangenen Jahren hat sich unser Verhältnis zur Bekleidung stark verändert. Wir konsumieren doppelt so viel, wie vor 15 Jahren. Welche Folgen hat das auf die Umwelt? Vielen nicht bewusst, dass ein „gewöhnliches“ Shirt die Umwelt massiv schädigt. Aber immer mehr Menschen sehen, dass in der Textilindustrie ein Umdenken stattfinden muss. Wie auch Du als Kunde oder Kundin zu einer Veränderung beitragen kannst, liest Du hier.

Der letzte Skandal der Textilindustrie, liegt bereits einige Jahre zurück. Nachdem die Verantwortlichen daraufhin zur Rede gestellt wurden, herrschte kurzzeitig Einsicht. Doch der Umschwung klang schnell wieder ab. Daher heben zahlreiche Unternehmen anlässlich der Fashion Revolution ihre Stimme. Sie protestieren gegen asoziale und umweltschädliche Methoden der Textilindustrie. Der Anlass dieser Revolution, war ein Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch. Trotz erheblicher Schäden am Gebäude, zwang die Fabrik ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu arbeiten. Beim Einsturz kamen zahlreiche Menschen ums Leben. An den Produktionsmethoden hat sich bis heute nichts geändert.

In diesem Blogbeitrag möchten wir darüber sprechen, wie die Textilbranche unserer Umwelt schadet. Ein Thema, bei dem Umwelt und zahlreiche Menschenleben für Geld aufs Spiel gesetzt werden, hat mehr Aufmerksamkeit verdient. Dazu gehört nicht nur die Herstellung von Kleidung, sondern auch der Handel damit. Wir zeigen, dass man auch Kleidung herstellen kann, ohne die Umwelt kaputt zu machen.

Ein Marathon-Läufer

Noch bevor ein Kleidungsstück auf einem Ladentisch landet, hat es bereits eine Weltreise hinter sich. Ein Produkt aus Asien, kann durchaus mehrere Länder besucht haben, denn es hinterlässt im Durchschnitt eine Strecke, die insgesamt 1,5 Mal um die gesamte Weltkugel reichen würde. Baumwolle aus Indien, gestrickt in Marokko, gebleicht in China, gefärbt in Bangladesch, und genäht in Taiwan, verkauft in Deutschland. Dennoch lässt sich das alles aus dem „Made in …“ nicht herauslesen.

Die Textilindustrie: Herstellung

Müllberge von Kleidung und massive Umweltverschmutzung in Bangladesh

Einer der größten Hersteller und Lieferanten von Kleidung ist Bangladesch. Das Land lebt überwiegend von der Textilindustrie. Viele namhafte Unternehmen lassen in Bangladesch billig produzieren. Das fatale ist: Soziale und ökologische Bedingungen gibt es nicht. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden nach Stückzahlen bezahlt, Kinder arbeiten in einer Suppe von Chemikalien, bei Schwangerschaft und Krankheit wird gekündigt. Doch was genau ist an der Herstellung so schlimm, dass die Umwelt darunter leidet? Es ist der Einsatz von Chemikalien, der enorme Verbrauch von Wasser, die mangelnde Schutzbekleidung und die Entsorgung des verunreinigten Wassers.

Für die Herstellung von Baumwolle wird sehr viel Wasser benötigt. So ist der Aralsee (ursprünglich viertgrößter Binnensee der Erde) bereits auf ein Drittel seiner ursprünglichen Größe geschrumpft. Seit 1950 wurden ihm regelmäßig große Mengen Wasser für die künstliche Bewässerung riesiger Baumwollfelder entnommen.

Die Entsorgung

Ein Kleidungsstück aus Bangladesch ist ein Cocktail aus 6.500 verschiedenen Chemikalien. Brom, Chlor, Kupfer und Arsen sind nur einige von 6.500 giftigen und krebserregenden Stoffen, die fürs Bleichen und Färben genutzt werden. Das mit schädlicher Chemie verunreinigte Wasser, wird dann in einem der drei großen Flüsse des Landes entsorgt. Diese münden im Indischen Ozean. Zwar verfügen die Textilfabriken über Aufbereitungsanlagen, die das Wasser grob säubern könnten, in versteckten Dokumentationen ist aber zu sehen, dass die Aufbereitungsanlagen abgestellt sind. Sie würden zu viel Kosten verursachen.

Das Wasser aus den Flüssen ist unbrauchbar, giftig und hat einen Sauerstoffgehalt von null. Als Lebensraum für Fische oder Pflanzen, ist er ungeeignet. Wissenschaftlich gesprochen, sind die Flüsse in Bangladesch tot. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann auch der Indische Ozean davon betroffen ist. Dennoch produzieren die Textilfabriken weiter. Die Regierung sieht weg, da die Textilindustrie die Haupteinnahmequelle des Landes ist. Scheinbar hat das Geld durch dieses Geschäft einen höheren Stellenwert als Gesundheit, Umwelt und das Leben von Menschen.

Indischer Ozean ist von der Verschmutzung der Textilindustrie betroffen.

 

Retouren im Handel

Verlängerte Rückgabezeiten, kostenloser Versand und Rückversand sind Angebote, die Kunden von einer Bestellung überzeugen können. Diese Chance möchten viele Online-Textilhändler nicht missen. Allerdings müssen die Online-Händler als Gegenleistung selbst für diese Kosten aufkommen. Mit den Jahren wurden die Probleme mit kostenfreien Retouren für die Händler größer. Denn Kunden nutzen die langen Rückgabefristen aus, um die Ware zu tragen und anschließend wieder zurückzuschicken. Folgen sind gebrauchte Retouren und schmutzige Kleidung. Da es teurer ist die Kleidung aufzubereiten als neu zu kaufen, verbrennen oder verbrannten die Händler die Ware und gaben neue Produkte in Bangladesch und Co. in Auftrag.

Aus der Sicht von TRIGEMA Inhaber Wolfgang Grupp, ein völlig falscher Ansatz: Kunden sind durch diese Angebote zum Retournieren animiert. Aus unternehmerischer Sicht völlig fatal, denn man verliert in jeder Hinsicht. Retouren steigen, Kosten steigen, Ressourcen werden als selbstverständlich angesehen, die Umwelt nimmt irreparablen Schaden und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die die Textilien herstellen, werden behandelt wie Vieh. Ganz zu schweigen vom übermäßigem Verpackungsmaterial und massenhaftem CO². Es besteht Diskussion um einen Gesetzesentwurf, der es verbietet, Neuware zu verbrennen, statt aufzubereiten. TRIGEMA ist gespannt, ob dann ein Umdenken in der Textilbranche stattfindet.

Die Textilien sind tatsächlich ein riesen Problem, denn die Ware ist immer öfter von minderwertiger Qualität, was eine Weiterverarbeitung unmöglich macht. Die Altkleiderbranche erstickt daher wortwörtlich im Textilmüll. Auf unseren sozialen Medien haben wir über einen längeren Zeitraum Fakten zur schnelllebigen Modebranche veröffentlicht. Die Zahlen zur sogenannten Fast Fashion sind mit Quellen versehen.

Fehlentscheidungen

Da die Textilindustrie die Haupteinnahmequelle des Landes Bangladesch ist, denken einige Verbraucher die Arbeitnehmer in Bangladesch schützen zu müssen, indem Sie die billigen Shirts kaufen. Eine Fehlentscheidung, auf die ein Teufelskreis folgt. Wird die Ware verkauft, muss nachproduziert werden. Wird die Ware nicht verkauft, muss ebenfalls nachproduziert werden, da die Fast Fashion Modebranche ja schnelllebig sein und im Trend bleiben möchte. Neue Konditionen werden ausgehandelt, denn je billiger die Produktion, desto billiger lässt sich ein Produkt auch verkaufen. Ganz im Sinne von „Geiz ist geil“.

Wird die Kleidung allerdings nachweislich gemieden und der Trend zu nachhaltig produzierten Textilien geht, muss die Fast Fashion Branche sich überlegen, ob sie nicht sozial, ökologisch und nachhaltiger handeln möchte. Oft sind Siegel wie „Fair-Trade“ im Gespräch.

Färben von Textilien in Bangaldesch ist giftig und krebserregend

Corona zeigt erste Folgen

Erste Berichterstattungen zum Einzelhandel nach dem Corona Shotdown in Deutschland zeigen, dass das Umdenken stärker denn je von Nöten ist. Für den Herbst 2020, wird in Deutschlands Textilbranche mit einem „schleppenden“ Geschäft gerechnet, da die Kunden weniger Geld für Bekleidung ausgeben möchten. Hunderte Textilfabriken sind in ihrer Existenz gefährdet, da immer mehr Einzelhändler Aufträge stornieren.

Das Konsumverhalten

Alleiniger Inhaber und Geschäftsführer Wolfgang Grupp von TRIGEMA, spricht in der Textilbranche seit Jahren von einer bedarfsgedeckten Wirtschaft: Kunden kaufen, ohne ein Produkt wirklich zu benötigen – der Bedarf an Bekleidung ist gedeckt. Dennoch haben wir ein Zeitalter erreicht, in dem wir doppelt so viel Bekleidung kaufen, als noch vor 15 Jahren.

Das Motto „Geiz ist geil“, hat sich über die vergangenen Jahre fest in den Köpfen der Verbraucher verankert – zum Nachteil unserer Umwelt. Denn billiger und im Trend bedeutet oft auch eine schlechte Qualität. Somit tragen wir unsere Kleidung im Schnitt nur sechs Monate, bevor wir sie kaum oder gar nicht mehr tragen. Vielleicht ist es uns nach Corona wieder möglich mehr auf Qualität als auf Quantität zu setzen.

Was können Verbraucher tun?

Die Ware aus fernöstlichen Ländern nicht kaufen, denn es ist keine Unterstützung oder Arbeitsplatzsicherung(!) der dortigen Arbeitnehmer. Es gibt aber auch positive Nachrichten: Einige Unternehmen stellen nachhaltig her. Das beginnt schon beim Anbau der Baumwolle. Um den Kauf nachhaltiger Textilien dem Verbraucher zu erleichtern, gibt es sogenannte Textilsiegel.

Diese Siegel helfen dem Verbraucher zu erkennen, welche Richtlinien bei der Produktion des Produktes eingehalten werden. Einige Siegel gelten für soziale Richtlinien (wie z. B. keine Kinderarbeit), andere für ökologische (z. B. Aufbereitung des Wassers, vorschriftsgemäße Entsorgung). Damit auch Du Dich im Siegel-Dschungel zurechtfindest, kannst Du hier nachlesen, welches Siegel, welche Richtlinien abdeckt: https://www.siegelklarheit.de/produktgruppen/textilien/

Wie stellt TRIGEMA her?

Baumwollfeld von TRIGEMA, nachhaltig und ohne Pestiziede

Wir sind zwar selbst in der Textilbranche tätig, betrachten sie aber mit sehr kritischen Augen. Die Umwelt auf Kosten von Macht- und Geldgier zu riskieren, ist fatal! Die Umwelt, ihre Ressourcen, der Mensch und dessen Arbeit müssen geschätzt werden. Nicht nur deshalb produzieren wir nachhaltig in allen Bereichen, um ein qualitativ hochwertiges Produkt herzustellen. Wir produzieren Slow Fashion: Fair zur Umwelt, fair zur Haut.

Gerne zählen wir einige Beispiele auf, wie TRIGEMA in Deutschland produziert – bei einer Betriebsbesichtigung darfst Du Dich aber gern selbst davon überzeugen. Wir verwenden eigens generierten Strom, unsere Maschinen sind technisch immer auf dem neuesten Stand und verwenden die geringstmögliche Menge an Wasser und Elektrizität. Sogar den Dampf, der sich bei der Produktion entwickelt, verwenden wir als Wärmequelle weiter. Wir bleichen nach einem besonders nachhaltigen Verfahren. Stoffe mit 6.500 Chemikalien wie in Bangladesch zu bearbeiten, wäre in Deutschland gar nicht möglich, da wir uns an zahlreiche Umweltvorschriften halten und bei TRIGEMA sogar unterschreiten.

Das beim Färben und Bleichen verwendete Wasser, bereiten wir selbstverständlich wieder auf. Ein Endprodukt von TRIGEMA ist frei von Chemie und Schadstoffen. Somit sind unsere Produkte auch für die Kleinsten völlig unbedenklich direkt auf der Haut tragbar. Du siehst; Textilindustrie geht auch anders. Wenn Du noch mehr zu unserer Produktion wissen möchtest, kannst Du gern in diesem Blogbeitrag weiterlesen.

Transport bei TRIGEMA

Wir beziehen unsere Baumwolle aus Griechenland und der Türkei. Die Baumwolle wird direkt vor Ort in Familienbetrieben zu Garn verarbeitet. Die Garnspulen werden kann per LKW nach Deutschland transportiert. Daraufhin findet alles in einem Unternehmen, alles in einem Ort statt: in Burladingen auf der schwäbischen Alb. Hier Stricken wir das Garn zu hochfunktionellen Stoffen in unterschiedlichen Stoffqualitäten. Daraufhin wird der Stoff gebleicht, gefärbt, zugeschnitten und vernäht. Alles unter einem Dach, nachhaltig, ressourceneffizient und umweltschonend. Lange Reisen um die ganze Welt gibt es bei uns nicht. Wir liefern 100% Qualität Made in Germany. Das fertige Produkt wird per LKW-Tour auf 45 verschiedene TRIGEMA Testgeschäfte in ganz Deutschland verteilt.

Wie wird TRIGEMAs Baumwolle angebaut?

Nachhaltige Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau für TRIGEMA in Griechenland

Unsere Baumwolle stammt aus einem kontrolliert biologischem Anbau (kbA) und wird in einer sogenannten Mischkultur angebaut. Das bedeutet, dass nicht nur die Baumwolle auf den Feldern wächst, sondern neben ihr auch noch andere Pflanzen und Feldfrüchte. Das hat mehrere Gründe: Die Bodenfruchtbarkeit bleibt auf natürliche Weise erhalten, die Vielfalt der Fauna fördert die Artenvielfalt und erhält das Gleichgewicht zwischen Schädlingen und Nützlingen. Pestizide und massenhafter Dünger sind hier also völlig überflüssig und von TRIGEMA auch nicht gewünscht.

Wie schmutzig ist Dein Kleiderschrank?

Möchtest Du wissen, wie nachhaltig oder wie schmutzig Dein Kleiderschrank ist, dann kannst Du unter folgendem Link kostenlos an einem Test mitmachen, der Dein Konsumverhalten in CO² umrechnet. Kleiner Nachteil: Leider ist der Fashion Fußabdruck auf die Durchschnitts-Statistiken von Amerika – nicht von Deutschland – berechnet. https://www.thredup.com/fashionfootprint 

Nichts mehr verpassen

Junge Menschen lachen in weißen T-Shirts.

 

Kommentare (3)

  • Tanja Weißenseel
    am 14. Juni 2020 um 09:40 Uhr

    Ich habe ihren anschaulichen Bericht mit Interesse gelesen.Obwohl mir natürlich bewusst ist, daß jede Menge Eigenwerbung und Marketingstrategie dahinter steckt, glaube ich ein ernsthaftes und aufrichtiges Anliegen zu erkennen.Es macht Hoffnung, dass es Unternehmen und Menschen dahinter gibt, die nicht nur von einem anderen Weg reden.Sie machen vor, daß es durchaus erfolgreich tatsächlich anders geht! Sozialer, umweltfreundlicher, nachhaltiger und verantwortungsbewußter.Respekt und Dank dafür.

    • TRIGEMA Online Team
      am 15. Juni 2020 um 09:36 Uhr

      Hallo Frau Weißenseel,
      vielen Dank für Ihr Lob bezüglich unseres Blog-Beitrags. Das freut uns wirklich sehr!
      Wir können uns nur ebenfalls bei Ihnen bedanken, denn ohne Kunden, würden wir nicht existieren 🙂
      Liebe Grüße und bleiben Sie gesund!
      Ihr TRIGEMA Online Team 🙂

  • S.K. Käshammer
    am 10. Juni 2020 um 23:30 Uhr

    Respekt!
    Großen Respekt!
    ?

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