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Umdenken in der (Mode)Fotografie – Interview mit unserer Fotografin

Die Corona-Krise trifft viele Branchen auch da, wo man es nicht erwarten würde. So musste auch TRIGEMA unter der Corona-Krise die Fotoproduktion abändern, denn auf engstem Raum mit Models zusammen zu arbeiten, geht aktuell kaum. Bilder müssen trotzdem für unseren Onlineshop und unsere sozialen Medien her. Wie die Lösung von TRIGEMA aussah.

Alex: An dieser Stelle begrüße ich unsere Fotografin: Hallo Nadine, schön dass Du da bist.

Nadine: Hallo Alex, vielen Dank, dass ich hier sein darf.

Alex: Um unsere MitarbeiterInnen und Models vor COVID-19 zu schützen, haben wir unsere Fotoproduktion umgestellt. Wie hat sich der Shutdown denn auf unsere Fotoproduktion ausgeübt? Wie machen wir das jetzt mit den Bildern für den nächsten Katalog?

Nadine: Wir haben für den Herbst/Winter Katalog 20/21 erst ganz normal eine Fotobesprechung geführt und dann mit der Planung begonnen. Das Thema COVID- 19 war schon länger ein Thema, aber ich kann mich gut daran erinnern, dass von einem auf den anderen Tag alles Kopf stand durch den Shutdown! Erst wusste man nicht wie es weitergeht, ganz zu schweigen davon, ob wir überhaupt in der Abteilung der Werbung weiterarbeiten können. Termine mit Locations und Models mussten abgesagt werden. Das war ein ziemlicher Zeitdruck, da der Katalog eine Abgabefrist für den Druck hat.

Eine Besprechung in der Abteilung ergab dann, dass wir die neue Kollektion leider nicht an Models fotografieren dürfen und können, also musste eine Lösung her. So haben wir unsere Kollektion an Schaufensterpuppen in unserem Hauseigenen Fotostudio fotografiert. Vor allem für www.trigema.de haben wir auch sogenannte Leger Teaser erstellt. Hier wird die Kleidung am Boden anschaulich drapiert und mit Dekoration zu einem schönen Zusammenspiel abgerundet. Fotografiert wird dann von oben, auf einer Leiter stehend.

Kleid und Pullover auf dem Boden

Hygienemaßnahmen verhindern Doppelfotos

Alex: Ich habe neulich einen Bericht gelesen, dass einige Fotografen jetzt durchs Fenster fotografieren, da ist also eine Scheibe zwischen Fotograf und Model. Wäre das nicht bei uns auch denkbar gewesen? Wie gehen andere Fotografen und Fotografinnen mit der derzeitigen Situation um?

Nadine: Ich glaube nicht, dass das Problem zwischen Fotograf und Model liegt, dass dies mit einer Glasscheibe zu lösen gewesen wäre. Das eigentliche Problem ist, dass eine Fotoproduktion oft aus einem größeren Team besteht. Hier den Abstand von 1,5 m zu halten, ist wirklich schwierig. Die Visagistin und Stylisten kommen dem Model ja wirklich sehr nah, hier sind aufwendige Hygienemaßnahmen notwendig.

Des Weiteren benötigen wir auch Doppelaufnahmen. Das bedeutet ein Bild, auf dem Mann und Frau zu sehen sind. Auch die, wären durch die Abstandsregelungen nicht möglich, da wir keine Models dem Risiko aussetzen, aber auch keine Bilder mit Masken wollten. Andere Fotografinnen in meinem Umfeld haben knapp 7 Wochen nicht gearbeitet und wurden über Kurzarbeit bezahlt!

 Alex: Es ist ja so, dass wir bereits im Herbst die kommende Frühjahr-/Sommerkollektion fertig haben. Normalerweise shooten wir dann die Bilder zum Beispiel in Südafrika. Da kommt man aber im Moment schlecht hin.

Nadine: Das ist richtig, im letzten Jahr haben wir unsere Frühjahr/Sommer Kollektion in Südafrika fotografiert. Die Saison beginnt dort im Oktober und dauert bis Mai des folgenden Jahres an. Dort ist es perfekt, um sonnige Strandfotos aufzunehmen, da es dort wettertechnisch sehr beständig ist. In den kühlen Wintermonaten wandern selbst viele Models aus Deutschland nach Südafrika aus, um dort zu arbeiten. Wie es dieses Jahr aussieht und ob wir im Oktober darüber nachdenken können im Ausland die neue Kollektion zu fotografieren ist noch unklar.

Fragen zur Passion

Alex: Wie bist du zur Fotografie gekommen?

Nadine: Ich habe mein Fachabitur in Gestaltung gemacht und das damit verbundene Praktikum in einer Werbeagentur absolviert. In meiner Klasse gab es jemanden der in Verbindung mit der Schule bei einem Fotografen sein Praktikum gemacht hat. Jedes Mal, wenn wir unsere Berichte abgaben, wollte ich sofort seine Mappe sehen. Sie war immer total interessant. Da wusste ich, dass ich meine Ausbildung bei einem Fotografen machen möchte, um so interessante Dinge auch zu erlernen.

 Alex: Was macht ein gutes Foto aus?

Meine persönliche Meinung ist, den perfekten Moment erwischen zu müssen. Echte Emotionen machen ein gutes Bild aus. Die Technik kann noch so gut sein, wenn dem Bild das emotionale Grundgerüst fehlt.

 Alex: Was unterscheidet die Modefotografie von zum Beispiel der Landschaftsfotografie? Abgesehen vom Motiv.

Nadine: Bei der Landschaftsfotografie geht viel von der Stimmung aus und es wird viel mit Langzeitbelichtungen gearbeitet. Dort muss man meist zu den ungünstigsten Zeiten fotografieren um die Stimmung einzufangen. Wie zum Beispiel beim Nebel im Morgengrauen. Bei der Modefotografie geht es darum, das Produkt gut zu inszenieren. Es muss gut am Model sitzen und der Kunde muss es gut erkennen können. So kann der Kunde sich damit identifizieren und im besten Fall regt es zum Kauf an.

 Alex: Das Foto kommt ja nicht direkt perfekt aus der Kamera. Da steckt noch eine Menge Arbeit dahinter, oder?

Nadine: Das stimmt! Wir fotografieren ein Kollektionsteil an der Location ca. 40x. Für den Katalog und Online, wählen wir dann das beste Foto aus und das wird dann bearbeitet. Tot-retuschiert wird bei uns aber nicht, sondern nur blaue Flecken oder kleine Hautunreinheiten entfernt, die die Visagistin mit Schminke nicht abgedeckt bekommen hat.

 Alex: Früher gab es noch Filme in den Kameras, die anschließend erst mal entwickelt werden mussten. Ist das Fotografieren heute durch modernere, digitale Technik einfacher geworden?

Nadine: Ja, auf jeden Fall! Ich weiß wovon ich rede, denn ich habe noch alles von der Pieke aus gelernt. Früher war es tatsächlich so, dass bei den Fotos alles sitzen musste. Es konnte im Nachhinein nichts mehr bearbeitet werden. Eine Hand-Retusche war möglich, erforderte aber viel Geschick und vor allem Können. In der heutigen Zeit hat es sich einfach gewandelt, der Fotograf ist viel flexibler und kann mehr ausprobieren. Das Foto kann sofort begutachtet werden und störende Details können geändert werden oder das Foto wird einfach nochmal aufgenommen. Das bringt natürlich auch mit sich, dass der Beruf des Fotografen gefährdet ist, da jeder meint er könne fotografieren.

 

 Alex: Vielen Dank Nadine für Deine Zeit! Es war wirklich sehr interessant.

Nadine: Ja, sehr gern!

Update vom 13.07.2020

TRIGEMA hat kurzfristig noch eine Lösung gefunden, wie wir Bilder ohne Maske produzieren können. Somit startete die Fotoproduktion mit einigen ausgewählten Outfits und einem Model-Paar, das im selben Haushalt wohnt. So war auch Kuscheln und Shooten ohne Maske möglich.

 

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