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Corona-Folgen: Wohin mit 500 Mio Kleidungsstücken?

Seit Jahren ist bekannt, dass die Fast Fashion Industrie deutlich mehr Textilien anbietet, als verkauft wird, und der Trend nimmt scheinbar kein Ende. Aufgrund der Corona-Pandemie und monatelanger geschlossener Geschäfte werden die Folgen nun deutlich sichtbar: Über 500 Millionen Kleidungsstücke haben sich in den vergangenen Monaten angesammelt. Was passiert nun mit den fabrikneuen – aber veralteten Kollektionen?

Warum gibt es so viel überschüssige Kleidung?

Massenware statt nachhaltig - 500 Mio Kleidungsstücke werden voraussichtlich von der Fast Fashion Industrie vernichtet.

Fast Fashion lebt von der schnellen Produktion und von günstiger Massenware. Alle zwei Wochen erhalten diverse Händler fabrikneue Kleidungsstücke. Durch die Schließungen zur Eindämmung des Corona Virus, fiel ein wichtiger Vertriebskanal weg. Dadurch konnten weniger Textilien verkauft werden als erwartet. Nun gibt es 500 Millionen Kleidungsstücke für rund 83 Millionen Deutsche. Wohin damit?!

Für gewöhnlich werden Restposten „alter“ Kollektionen eingelagert, um sie dann nach und nach als Sonderangebote zu verkaufen. Die Corona-Pandemie hat dem gewöhnlichen Vertrieb allerdings einen Strich durch die Rechnung gemacht. In den Lagern staut sich die Kleidung. Zwar sind die Artikel fabrikneu und unbenutzt, dennoch ist an einen Verkauf von Produkten der Kollektionen Frühjahr 2020 kaum noch zu denken. Die Fast Fashion Händler bleiben auf ihrer Ware sitzen und so führt eines zum anderen: Ladenhüter nehmen wertvollen Lagerplatz in Anspruch.

Lösungsansätze

Möglichkeiten, die Kleidung loszuwerden, gibt es kaum. Restpostenhändler, die Kleidungsstücke international verbreiten, leiden ebenfalls unter den Pandemie-Einschränkungen. Auch Secondhand Geschäfte sind zu und setzen daher kaum etwas ab.

Kleidung Reduzieren

Für die Fast Fashion Händler ist es jetzt wichtig, möglichst viel Produkte noch zu Geld zu machen. Ein Lösungsansatz wären Prozent-, Rabattaktionen und Sale-Verkäufe – dennoch wird auch hier mit Sicherheit nicht alles restlos verkauft werden.

Die große Masse der Ware wird in Fernost hergestellt.

Altkleider

Die Kleidungsstücke an Altkleider- oder Recycling-Betriebe zu geben, ist nicht möglich. Bereits zum ersten Lockdown im April 2020 waren die Altkleider-Container so überfüllt, dass sie aus einigen Städten sogar entfernt wurden. Die Recycling-Betriebe kommen bei den Massen von Textilien an die Grenzen ihrer Möglichkeiten.

Verbrennen

Dass Fast Fashion Händler in großem Stil bereits Waren verbrannt haben, ist nicht unbekannt. Besonders Retouren landen in der Fast Fashion Industrie oft im Müll, da es kostenintensiver ist, die Produkte aufzubereiten, als neue herstellen zu lassen. Die fabrikneuen Produkte zu vernichten, ist die schnellste und auch kostengünstigste Methode, die Produkte loszuwerden. So sind die Lager am schnellsten leer zu bekommen. Aus nachhaltiger Sicht sollte eine Vernichtung immer als letztes Mittel gewählt werden.

Spenden

Die fabrikneue Textilware zu spenden, kommt für die Fast Fashion Händler kaum in Frage, denn diese Möglichkeit wäre nicht zielführend. Da Unternehmen in ihrer Lange noch möglichst viel Profit herauszuschlagen wollen, vernichten sie ihre Textilien lieber als noch eine Umsatzsteuer auf gespendete Produkte zahlen zu müssen. Somit wäre das Spenden ein Minus-Geschäft, das sie auf Kosten der Umwelt vermeiden wollen.

Darf man Mode einfach verbrennen?

Aufgrund von Überproduktion und fehlendem Lagerplatz, sollen 500 Mio. Kleidungsstücke voraussichtlich vernichtet werden.

Bei Mode ist laut EHI-Forschungsinstitut die durchschnittliche Rücksendequote mit fast 40 % besonders hoch – Tendenz steigend. Rücksendungen, die sich nicht mehr als sogenannte A-Ware verkaufen lassen, gelangen als B-Ware in eine Zweitvermarktung. Diese sind meist unter den reduzierten Artikeln wiederzufinden. Seit Oktober vergangenen Jahres gibt es ein Gesetz, das sowohl die Hersteller als auch den Fast Fashion Handel dazu verpflichtet zu prüfen, ob eine Reparatur, Rabatt oder eine Spende möglich sind.

Spenden ist die vom Bundesumweltministerium präferierte Methode. Allerdings leiden Fast Fashion Unternehmen unter der Alternative, denn je mehr gespendet oder verschenkt wird, desto größer werde das Risiko für Hersteller sowie Handel, sich diesen potenziellen Markt kaputtzumachen.

Da über Rabatte längst keine Millionen Artikel verkauft werden und aus betriebswirtschaftlicher Sicht eine Spende die zuletzt gewünschte Alternative ist, bleibt die Reparatur. Das große Problem dabei: Die Artikel sind in einer derart schlechten Qualität hergestellt, dass eine Aufbereitung kaum möglich oder zu aufwendig ist. Des Weiteren sind einige Produkte aufgrund von Hygiene- und Sicherheitsvorschriften vom wiederholten Verkauf ausgeschlossen. All diese Umstände erschwert das Vermeiden einer drohenden Vernichtung.

Greenpeace fordert Umdenken

Die Fast Fashion Industrie hat ihren Preis, den die Menschen und die Umwelt in Fernost zahlen.

Statt weiterhin Bekleidung zu vernichten, fordert Greenpeace-Konsumexpertin Viola Wohlgemuth ein strukturelles Umdenken der Fashion Branche. Auch wir finden: Hier muss ganz schnell etwas passieren! Die kostbaren Ressourcen unserer Umwelt sollten nicht aufgrund eines billigen Trends vernichtet werden. Dasselbe gilt für die harte Arbeit, die zahlreiche Menschen innerhalb der Produktion von Mode leisten. Fair oder nachhaltig ist das nicht.

Wenn ihr kauft, dann kauft nachhaltig und fair hergestellte Kleidungsstücke, die aus hochwertiger Qualität bestehen und Euch lange begleiten.

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Junge Menschen lachen in weißen T-Shirts.

 

Kommentare (2)

  • Marc Baumann
    am 3. Februar 2021 um 18:51 Uhr

    Ich hatte mir mal anhand eines body scanners (Flughafen) ein shopping application ausgedacht. Funktioniert wie folgt: Wir stellen einen Ganzkörperscanner wie eine Umkleidekabine in das Ladengeschäft der Kunde erschafft sich so einen temporären Avatar und kann die Güter/Kleidung bequem wählen. Vorteil der Kunde kann seine Kleidung mit dem Datensatz virtuell anprobieren, bekommt gleich die richtige Konfektionsgröße zum heraussuchen der Kleidung, kann maßgeschneidert und individuell Stück mit seinem persönlichen Datensatz beauftragen und kann den Datensatz Zuhause zum Onlineshoppen verwenden. Das menschliche Bedürfnisse shoppen zu gehen wird dadurch einfacher individueller und relaxter. Fehlkäufe / Retouren, Verpackungsmüll werden reduziert. Unternehmerische Tätigkeiten Plan und Berechenbarer sowie belastbar im Ergebnis

  • Helmut Hager
    am 3. Februar 2021 um 14:42 Uhr

    Es ist doch eine Sünde noch so gute Kleidung zu verbrennen oder vernichten, wenn es z. B. in den Flüchtlingslagern dringend gebraucht wird.
    Meinen Trigema Pulli habe ich schon Jahre, die Qualität ist einfach gut 👍👍
    Hoffe dass bald die Geschäfte wieder geöffnet werden.

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