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Fashion Revolution 2022 – 8 Jahre Kampf gegen Ausbeutung

Lesedauer ca. 5 Minuten

Ein ermüdendes Thema, doch es liegt uns am Herzen. Alle kennen die Umstände, doch jeder sieht weg. Wir schreiben das Jahr 2022 und dennoch sind in den vergangenen Wochen und Monaten Dinge passiert, die wir nicht für möglich gehalten hätten. Presse und Dokumentationen berichten seit Jahren über katastrophalen Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie und doch werden Unternehmen, die in solchen Fabriken produzieren lassen, durch Massen-Käufe unterstützt und an die Spitze der Modeindustrie katapultiert. Jahre der Aufklärung über die unzumutbaren Arbeitsbedingungen schwinden mit einem Mal dahin.

Fast Fashion“ Unternehmen – die sich in den 90er Jahren etablierten sind von vorgestern. Seit Mitte der 2010er ist „Ultra Fast Fashion“ im Trend. 2020 stellte ein chinesischer Onlinehändler aber alle in den Schatten! Der am schnellsten wachsende Onlinehändler macht „Real-time Fashion“ – zu Deutsch: Echtzeit-Mode – jedem und jederzeit extrem günstig zugänglich. Dementsprechend fällt auch die Qualität aus.

Strickerei mit Mitarbeiter bei TRIGEMA

Aus Garn werden in der Strickerei Stoffe gestrickt. Dieser Produktionsschritt bildet die Grundlage aller weiterer Schritte.

Welche Auswirkungen hat Real-time Fashion?

Ehrlich gesagt fehlen uns die Worte. Während Menschen auf der anderen Seite des Planeten die Hände wund arbeiten, ihre Gesundheit riskieren und aufs Spiel setzen, um ihre Familie ernähren zu können, hat der Konsum in Europa ein trauriges Ausmaß angenommen. Während Firmen von Nachhaltigkeits-Zielen und Kreislaufwirtschaft sprechen, ist der eigentliche Produktkreislauf: Kaufen, Tragen, Waschen, Schrankleiche, Müll.

LinkedIn-Post von S. Bohrn Mena.

LinkedIn-Post von S. Bohrn Mena über die Müllhalde in der Atacama-Wüste in Chile.

Und mit Müll ist tatsächlich Abfall gemeint, denn die Produkte befinden sich in so einem qualitativ schlechten Zustand, dass man dieses Material nicht wiederverwenden kann – nicht einmal zu Putzlappen. Der Kreislauf ist mit dem Abfall allerdings nicht beendet: Aufgrund von Kunststofffasern ist die Entsorgung ein weiteres großes Problem. So landen die Produkte – meist sogar mit Preisschildern – im nirgendwo. Der Planet wird durch unseren Konsum zur völligen Müllhalde. Einer dieser Orte ist die Atacama Wüste in Chile.

Verarmte Bevölkerungsgruppen, die sich Brennstoffe nicht leisten können, kaufen alte Kleidung um damit zu heizen. Durch das Verbrennen entstehen extrem giftige Gase mit denen wir abermals unserem Planeten Schaden zuführen. Als Putzlappen kann nur saugstarke Baumwolle verwendet werden, die kaum noch verarbeitet wird. Da wir nicht mehr wissen wohin damit, nutzen wir Kleidung mittlerweile auch als Dämmmaterial. Ein fairer Handel ist das nicht.

Ausrüstung mit Mitarbeiter bei TRIGEMA

In der Ausrüstung werden die Stoffe dann behandelt, gefärbt und einlaufsicher gemacht. Dies ist ein sehr zeitaufwändiger Produktionsschritt. Er gilt in Bangladesch, China, Pakistan und weiteren Ländern als sehr gefährlich, da die Arbeiter dort mit vielen Chemikalien (ohne Schutzausrüstung) hantieren. In Deutschland halten wir uns an strenge Vorschriften.

Was ist die Fashion Revolution?

Die Fashion Revolution wurde ins Leben gerufen, um Alternativen zu Fast-, Ultra-Fast- und Real-time Fashion aufzuzeigen. Auslöser für die Kampagne ist eigentlich ein Gedenktag an die Verstorbenen des 24. April 2013. Die Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch stürzt ein und reißt 1136 Menschen in den Tod. Der eigentliche Grund für den Skandal: Vorgesetzten war bewusst, dass das Gebäude einsturzgefährdet war. Dennoch haben Sie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Arbeit in der Textilfabrik gezwungen. Wir möchten mit diesem Blogbeitrag zeigen, dass hinter der Produktion von Textilien, echte Menschen stecken. Wir sichern bei TRIGEMA ca. 1.200 Arbeitsplätze mit der Produktion in Deutschland und möchten mit diesen Bildern zeigen: „Wir produzieren Eure Kleidung!“. Uns ist es möglich Euch die Gesichter hinter den Produkten zu zeigen – jederzeit.

Auswirkungen des Skandals

Mitarbeiterin von TRIGEMA in Zuschnitt der Werkes in Burladingen.

In der Zuschneiderei werden aus meterlangen Stoffbahnen einzelne Stoffmuster geschnitten. Ringelstoffe und kleine aufwändige Muster, werden noch per Hand zugeschnitten.

Weltweit sorgten diese Nachrichten für Entsetzen. Es entstand eine Bewegung der Revolution, die jährlich in der Fashion Revolution Week zum Ausdruck gebracht wird. Doch ebenso schnell hat man die Opfer wieder vergessen und die Fashion Revolution Bewegung hat über die vergangenen Jahre nachgelassen. Günstige Kleidung wird heute noch schneller und intensiver konsumiert als noch vor acht Jahren. Schuld daran ist nicht die Textilindustrie selbst, sondern die Auftraggeber, die in diesen Fabriken produzieren lassen. Des Weiteren tragen die Länder, die die Textilindustrie unterstützt und fördert ebenfalls eine große Mitschuld. Selbst Kinder arbeiten unter grausamen Arbeitsbedingungen, die wir uns nicht einmal vorstellen können – für einen Hungerlohn!

Wo liegt das Problem?

Mitarbeiter in der Druckerei von TRIGEMAs Werk 1 in Burladingen.

Soll ein Produkt mit einem Schriftzug oder einem Motiv bedruckt werden, passiert das in der Druckerei.

Wir dachten, die Menschen werden in Ihrem Konsum bewusster. Rana Plaza habe Konsumenten die Augen geöffnet. Und die wachsende Anzahl an Anbietern für nachhaltige Mode aus fairen Produktionen hat uns in unserer Annahme bestätigt. Dabei wurden viele in der Thematik Nachhaltigkeit einfach kreativer. Der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten, bringt nichts. Menschen müssen erst betroffen sein oder sich persönlich schuldig fühlen, damit der Konsum in Frage gestellt wird. Da ändert wohl auch die Fashion Revolution Week nichts am Verhalten.

Was ist die Lösung?

Veredelungen mit Garn werden in der Stickerei durchgeführt.

In der Stickerei werden die Produkte mit kleinen Motiven, Logos oder Schriftzügen bestickt. Diese Variante der Produktveredelung kommt besonders oft im B2B Bereich zum Einsatz.

Unserer Meinung nach gibt es nur eins: Unternehmen müssen transparent sein und Konsumenten müssen Transparenz fordern! Produktionen müssen gläsern werden. Wir müssen den Näherinnen und Nähern über die Schulter gucken können und dann die Situation in den Fabriken bewerten können. Das ist aber nur möglich, wenn wir Einblicke erhalten.

Zu wenige Menschen beschäftigen sich mit der Tatsache, dass Textilien in Bangladesch, China, Taiwan usw. unter schrecklichen Bedingungen hergestellt werden. Faire Mode kann nie im direkten Zusammenhang mit schlechten Arbeitsbedingungen stehen. Aus diesem einfachen Grund, solltest Du fragen: „Who made my clothes?“ – Wer hat meine Kleidung hergestellt? Fordere die Fabriken auf, die Gesichter der Mitarbeiter zu zeigen. Hinterfrage sowohl die sozialen als auch ökologischen Bedingungen unter denen Deine Bekleidung produziert wird. Achte beim Kauf auf faire Herstellungen und nachhaltige Produktionen, recherchiere in welchen Ländern sich die Textilfabriken befinden.

Mitarbeiterin näht Gummibund in Kleid ein.

Der letzte Produktionsschritt ist die Konfektion. In der Näherei vernähen wir alle einzelnen Stoffteile zu einem Produkt. Dies ist der Produktionsprozess, der viel Handarbeit fordert, da es in der Konfektion kaum automatisierte Prozesse gibt.

Wenn Du derselben oder gar anderer Meinung bist, äußere diese gern in unseren Kommentaren unter diesem Blogbeitrag. Wir freuen uns auf einen Austausch!

 

Kommentare (10)

  • Walter Hagen
    am 25. April 2022 um 18:13 Uhr

    Gute Qualität und nachhaltige Produktion in Deutschland, deshalb bin ich schon seit Jahren Trigema-Kunde. Macht weiter so und bleibt eurer Linie treu.
    Nachträglich noch Glückwunsch zum runden Geburtstag an Wolfgang Grupp.

  • Gertrud Specht
    am 25. April 2022 um 16:29 Uhr

    Gertrud Specht

    Vor ein paar Jahren habe ich mich umgestellt und kaufe nur noch Made in Germany. Dies betrifft auch andere Produkte.
    Leider gibt es wenig politische Unterstützung für Firmen, die in der Heimat produzieren. Ich bin sehr froh, dass Sie ihr Geld nicht mit Billigprodukten aus dem Ausland verdienen. Sie sorgen auch für würdige Arbeitsplätze im Land. Ihre Produkte haben eine ausgezeichnete Qualität.
    Ich wünsche mir in unserem Land in diesem Sinne eine Zeitenwende. Bleiben Sie weiterhin standhaft und gehen Sie diesen Weg weiter.
    Alles Gute!

  • Gertrud Specht
    am 25. April 2022 um 15:41 Uhr

    Ich habe mich vor ein paar Jahren umgestellt und kaufe nur noch Made in Germany.
    Dies betrifft auch andere Produkte. Warum gibt es politisch so wenig Förderung für inländische Firmen?
    Es wird Zeit umzudenken.
    Ich bin dankbar, dass Sie sich nicht mitreissen lassen und mit im Ausland gefertigten Billigprodukten ihr Geld verdienen. Bleiben Sie standhaft. Ihre Produkte sind von hervorragender Qualität und sie sorgen für ihre Mitarbeiter durch anständigen Lohn. Ich wünsche mir in Deutschland in diese Richtung eine Zeitenwende.

  • Hans Juergen Schwarz
    am 25. April 2022 um 13:01 Uhr

    ich kann mich den Ausführungen von Fashion Revolution nur anschließen.
    Das Problem für den Endverbraucher ist aber an die notendigen Informationen zu kommen.
    Früher habe ich mal gesagt, man merkt es am Preis.
    Heute weiß ich dass auch teure Marken billig produzieren lassen lassen.
    Wie also komme ich an die Informationen ran ?

    • TRIGEMA Online Team
      am 25. April 2022 um 13:07 Uhr

      Vielen Dank für Ihre Nachrichtig Herr Schwarz.
      Nachfragen und Recherchieren. Selbstverständlich möchten sich nicht alle Mitarbeiter auf den Sozialen Medien abbilden, daher kann man nicht verlangen „hinter die Kulissen“ blicken zu dürfen. Auch auf die Frage ob das Unternehmen nachhaltig und fair produziert, könnten Sie eine Lüge als Antwort erhalten, da sie keinen notwendigen Beweis dafür entgegen bringen müssen. Allerdings gibt es bereits viele Berichte im Internet über verschiedene Unternehmen und Ihre Produktionen. Sollten die Marken billig produzieren, werden sie auf jeden Fall etwas finden (Zeitungsartikel, Enthüllungsberichte, Dokumentationen, Tv-Berichterstattungen). Dass die Konsumenten belogen werden, ist kein Geheimnis. Etwas Recherche zu den Marken wird belohnt, denn das Internet vergisst nicht.
      Liebe Grüße vom TRIGEMA Online Team

  • Antonie Grauer
    am 25. April 2022 um 07:23 Uhr

    Hallo MitarbeiterInnen von Trigema,

    ich finde es super, dass Sie sich für faire Mode einsetzen.
    Ich versuche auch nur faire Mode oder gebrauchte Kleidung zu kaufen.
    Ich habe auch schon bei Trigema bestellt, doch leider komme ich mit den Größen nicht zurecht.
    Die T-Shirts sind für große Frauen, schmal geschnitten aber mit langen Ärmeln, langem Leib und weitem Halsausschnitt. Ich habe sie nicht zurückgeschickt. Trage sie unter Pullovern.
    Wie kann ich passender bestellen? Ich bin nur 160 cm groß.

    Gerne würde ich wieder bestellen.

    Mit besten Grüßen und alles Gute
    Antonie Grauer

    • TRIGEMA Online Team
      am 25. April 2022 um 13:16 Uhr

      Hallo Frau Grauer,
      wir haben individuelle Maßangaben zu jedem Produkt. Die Maßtabelle finden Sie in unserem Online Shop beim Ansehen eines Produktes unter der Größenauswahl. Hier steht dann „Zur Größentabelle“, wo sich auch eine Tabelle zu den cm-Maßen zu Länge und Ärmellänge befindet, bzw. Beinlänge sowie innere Beinlänge. Diese Angaben müssten Ihnen bei der Auswahl Ihrer Größe helfen.
      Liebe Grüße vom TRIGEMA Online Team

  • Klaus Lampart
    am 24. April 2022 um 19:06 Uhr

    Wir kaufen schon sehr lange bei Trigema und schätzen die Qualität Made in Germany.
    Vielen Dank dafür kaufen wohl nicht Online sondern in Ihren Testgeschäften.
    Liebe Grüße von Klaus und Mario

  • Wiebke Rieck
    am 16. April 2022 um 09:58 Uhr

    Ihr macht es genau richtig! Leider ist der Geldbeutel in der Masse immer noch der wichtigste Faktor. Und bei der jungen Generation zählt wahrscheinlich noch nicht, daß man eure Artikel jahrelang tragen kann. Mein Mann trägt seit Jahren Trigema…Ich tue mich mit Größe 48/50 leider schwer was passendes finden. Wäre schön, wenn die Größenpalette angepasst werden könnte…und es mehr Shops gäbe.

  • Karl Heinz Witten
    am 15. April 2022 um 19:03 Uhr

    Karlheinz Rieder sagt er hat seine Kleidung im laden bei trigema gekauft. Und das ist auch gut so. Denn dort bekommt er eine anständige Beratung und immer passende Klamotten. Zu einem tollen Preis und auch noch aus dem Bundesland Baden-Württemberg. So muss das sein.

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