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Wie wird Garn hergestellt? Anbau & Verarbeitung von Baumwolle

Lesedauer ca. 4 Minuten

Wie verläuft die Garnherstellung? Wir erklären Dir wie aus Baumwolle ein Stoff entsteht. Dazu haben wir unseren Produktionsleiter bei TRIGEMA unter anderem zum Anbau von Baumwolle im Ausland befragt. Ein Blick in die Strickerei vor Ort in Burladingen, verrät mehr über die Garnherstellung und die Verarbeitung von Faden zu Stoff.

Anbau der Baumwolle in Griechenland

Die Naturfaser Baumwolle wird in über 80 Ländern weltweit angebaut, mit unterschiedlichsten landwirtschaftlichen Methoden. TRIGEMA bezieht seine Baumwolle aus Griechenland, wo wir eine jahrzehntelange freundschaftliche Partnerschaft zu einem Familienunternehmen pflegen, das die Baumwolle nicht nur anbaut, sondern auch direkt vor Ort zu Garn verarbeitet.

Bei idealen Bodeneigenschaften entwickelt die Pflanze in ihrer Wachstumsphase bis zu 1,8 m lange Wurzeln. Dafür benötigt sie viel Wasser. Wenn der Regen den Wasserbedarf der Baumwolle nicht deckt, hilft das Familienunternehmen nach. Mit einem ausgeklügelten Bewässerungssystem, sorgt er für eine zielgerichtete Wasserzufuhr an einzelne Pflanzen. Die Tröpfchenbewässerung sorgt für einen optimierten Ertrag und einen schonenden Umgang mit dem endlichen Rohstoff Wasser.

Baumwolle auf einem Baumwollfeld. Diese Samenhaare sind die Grundlage für die Garnherstellung.

Baumwolle auf einem Feld in Griechenland

Ernte der Baumwolle

Nach der Blüte verwandelt sich der Fruchtknoten zu einer Kapsel, die beim weiteren Reifeprozess aufspringt und aus der die Samenhaare herausquellen. Die sogenannten Samenhaare kann man sich wie Watteknäuel vorstellen. Diese werden auf zwei verschiedene Arten geerntet:

  • Handgepflückt: Vorteil hierbei ist, dass nur die reife Baumwolle geerntet wird. Allerdings ist die Ernte sehr mühsam und erfordert mehrere Durchgänge da man auf den bestimmten Reifegrad wartet.
  • Maschinell: in einem Arbeitsgang, der etwas später erfolgt.
    Somit hat man
      • nicht ganz reife,
      • reife und
      • überreife Baumwolle

Dennoch ist der maschinelle Arbeitsgang der Baumwollproduktion ist wesentlich schneller als der manuelle Prozess. Daher setzen bereits rund 80% der Baumwoll-Anbauer mittlerweile eine ausschließlich maschinelle Ernte um.

Spinnerei

Der erste Schritt zur Garnherstellung ist der Transport der Baumwolle in die Spinnerei. Hier trennt man die Faser mit einer Entkörnungsmaschine mittels Stahlkämmen von Kapselresten und groben Verschmutzungen. Danach presst die Spinnerei die Baumwollfasern zu großen Ballen. Ca. 50 Ballen werden dann nebeneinandergelegt. Daraufhin trägt eine Maschine von jedem Ballen immer ein wenig ab und vermischt die Baumwolle miteinander. So ist sichergestellt, dass die Qualität des zukünftigen Garns gleich ist.

Um auch die kleinsten Verschmutzungen zu entfernen, werden die abgesaugten Baumwollflocken nochmal gereinigt. Nach dem Auflösen und Mischen werden die gründlich gereinigten Fasern kardiert. Das Kardieren ist eine Methode, um die Baumwollflocken in einzelne Fasern zu „kämmen“. Verschieden große Haken bringen die Fasern in eine strukturierte Anordnung. Längs ausgerichtet entsteht so ein dünnes Flies. Zusammengefasst entsteht ein Faserband – unter anderem auch Kardenband oder Kammzug genannt.

Wie wird Baumwolle hergestellt? Weiterverarbeitung der Baumwolle

Unsere Rundstrickmaschinen in Burladingen:  TRIGEMA verarbeitet Garn zu Stoff.

Die eigentliche Garnherstellung

Um aus Kardenbändern ein Garn zu bekommen, legt man circa acht dieser Bänder in der Kämmmaschine vor. Die Maschine parallelisiert die Fasern weiter und sortiert dabei kurze Fasern aus, denn die sind für ein qualitativ hochwertiges Garn wiederum kontraproduktiv. Kurze Fasern werden zum Beispiel für die Produktion von Geldnoten weiterverwertet, oder kommen in der Baubrache als Baumwoll-Tapeten zum Einsatz. Daraufhin wird das Faserband auf einer sogenannten Regulierstreckmaschine gestreckt, vermischt und auf einen gleichmäßigen Durchmesser reduziert.

Doch an dieser Stelle sind wir noch nicht am Ende der Verarbeitung. Jetzt entsteht ein sogenanntes Vorgarn, bevor das eigentliche Baumwollgarn entsteht. Der bestehende dicke Faden wird in einem mehrstufigen Spinnen verfeinert. Zunächst verfeinert sich der Faden um das zehnfache. Um den allseits bekannten feinen Faden zu erhalten, der für die Stoffherstellung notwendig ist, ist es nötig, das Vorgarn zu drehen und nochmals (!) um das 40-Fache zu verfeinern. Dies ist der letzte von vielen Schritten in der Garnherstellung. Nun kann die Spule zum Stricken.

Stoff-Herstellung in Burladingen

Wie wird Baumwolle herstellt: Weiterverarbeitung der Baumwolle

Die Rundstrickmaschine in Aktion

Beim Stricken wird aus Faden Stoff. Zunächst einmal wird die Strick-Maschine eingestellt, da wir unterschiedliche Stoffqualitäten verarbeiten. Einstellungskriterien sind zum Beispiel Stückgröße oder weitere technische Daten. Ist der Mitarbeiter mit den nötigen Einstellungen fertig, kommen die angelieferten Spulen auf das Spulengatter der Maschine. Vom Spulengatter gelangt der Faden über die Fadenleitrohre zur Maschine.

Ist der Faden in Ordnung, läuft er einwandfrei in die Maschine. Befindet sich in dem Faden jedoch ein Knoten oder eine Unebenheit, stoppt die Maschine. Das ermöglicht dem Mitarbeiter, den Fehler zu beheben und beste Stoffqualität zu gewähren. Durch die beweglichen Zungennadeln entstehen Maschen, welche aneinandergereiht das Gestrick ergeben. Dieses Gestrick rollen wir im unteren Teil der Maschine zu einem Stoffballen auf. Wenn die jeweilige Stückgröße erreicht ist, schneidet der Stricker den Stoff ab und bringt ihn ins Stofflager. Den übrigen Stoff wickelt er wieder auf die Walze, damit die Maschine mit dem nächsten Stück weiterlaufen kann.

Hast Du das gewusst?

Was vielen Mitarbeitern und Besuchern gar nicht bewusst ist, ist die unglaubliche Leistungsfähigkeit einer Strickmaschine. Um eine einzige unserer Maschinen ersetzen zu können, müssten circa 80.000 geübte Personen stricken. Das entspricht etwa einem ganzen Fußballstadion.

Wie wird Baumwolle hergestellt? Sehen Sie hier das Endprodukt.

Ein Endprodukt der Baumwolle (von vielen): Stoff

Kurz-Interview mit Herrn Schoser (Leiter Strickerei):

Wie viele Strickmaschinen haben wir derzeit?
Lassen Sie mich kurz überlegen. Das müssten um die 40 Maschinen sein.
Wie viele Arten von Stoff produzieren wir am Tag?
Theoretisch alle. Sagen wir so, wir sind in der Lage (falls gewünscht) jede Stoffqualität zu produzieren. Wir sind ungemein flexibel daher produzieren wir bei Bedarf auch mehrere Qualitäten am Tag.
Wie viel Meter Stoff produziert TRIGEMA am Tag?
Das sind ganz grob sieben Fußballfelder, was etwa 40.000 m² entspricht. Umgerechnet ergibt das bis zu 10 t Stoff, die wir am Tag verarbeiten.

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Kommentare (5)

  • Der Weg eines T-Shirts - Herstellung & Transport
    am 18. Juni 2021 um 10:54 Uhr

    […] Wie Baumwolle hergestellt wird […]

  • Salma
    am 19. Februar 2021 um 18:33 Uhr

    Diese Webseite hat mir viele neue eindrücke verschafft. sehr spannend, lehrreich, nicht ewig langgezogen und man konnte alles sehr sehr gut verstehe. Daumen hoch. LG

  • Ernst Tuma
    am 8. Juni 2020 um 15:17 Uhr

    Da ich viel in der Welt herumkam, weiß ich viel über Baumwolle. In einer Spinnerei war ich leider noch nicht.
    Ein T- Shirt ist was Gutes und vor allem praktisch, nur die „dummen Sprüchen“ mit welchen sich viele Leute „schmücken“ und indentifizieren, schrecklich! Man könnte meinen die Träger haben kein Hirn im Kopf .

  • Sahra
    am 2. Dezember 2019 um 14:30 Uhr

    In Europa produziert – für Europa der Verbrauch. D.h. keine Strafzölle etc.

  • Traudel Würger
    am 24. Dezember 2018 um 04:08 Uhr

    Einwandfrei der Weg von den Baumwoll-Pflanzen bis zum Endprodukt ein Trigema T-Shirt.

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